Susanne Nort: Weltenwanderer XIV – Zwischen den Toren
Susanne Nort ist das Pseudonym von Angelica Diem, bekannt aus den Kinderbüchern um die Hexe Pollonia. Mit dem Kurzroman „Zwischen den Toren“ hat sie ihren ersten Roman im Bereich der Fantasy veröffentlicht.
„Zwischen den Toren“ ist in der Reihe Weltenwanderer im Arcanum Fantasy Verlag erschienen. Hierbei handelt es sich jeweils um abgeschlossene Kurzromane.
Inhalt
Alana ist eine Sucherin, eine Tochter der Tore. Sie kennt die Welt zwischen Leben und Tod. Ihre Aufgabe ist es Menschen zum Todestor zu begeleiten und ihnen den Weg zu weisen. Die Fähigkeiten als Sucherin ermöglichen es ihr auch Menschen aus dem „Dazwischen“ zurück zu holen.
Doch auch im Dazwischen lauern Gefahren. So wartet seit Jahrhunderten der Verlorene auf seine Rückkehr in die Welt der Lebenden. Einzig die Töchter der Tore können ihn davon abhalten die Welt zu betreten, wenn ihnen kein Fehler unterläuft…
Am Todestag von Alanas Vater lassen Zorn und Verbitterung sie unvorsichtig werden. Eigentlich will sie ihren sterbenden Vater begleiten. Doch ihre Aufgabe ist es den ersten Kriegslord, den Prinzen ihres Heimatlandes Deregon, zurück ins Leben zu begleiten. Von da an ändert sich alles für Alana und Deregon.
Charaktere
Die Charaktere bleiben bis zum Ende des Kurzromans sehr oberflächlich. Eine wirkliche Entwicklung ist nicht zu erkennen, auch wenn nach der Hälfte der Leser allmählich den Hauptcharakter Alana zu verstehen beginnt.
Es ist kaum möglich sich auf die Charaktere richtig einzulassen, da man kaum Informationen über ihre Vergangenheit oder Charaktereigenschaften erhält. Eine Identifizierung wird erst ab dem dritten Kapitel (von fünf) mit dem Hauptcharakter möglich. Anfangs springt die Geschichte zu stark zwischen Charakteren und Erzählperspektiven, um zum einen den Lesefluss und damit auch Spannung wirklich zu halten, aber auch um einen Charakter kennen lernen zu können.
Stil
Die Autorin beweist immer wieder, dass sie flüssig, mitreißend und auch farbenfroh schreiben kann. Aber leider wurden vom Lektorat viele Schnitzer übersehen. Sowohl Tippfehler, überflüssige und fehlende Wörter, als auch Grammatikfehler. Viel schwerwiegender sind aber die zahlreichen Wechsel in der Erzählperspektive. Größtenteils wird die Handlung aus Sicht eines personalen Erzählers beschrieben. Aber in anderen Abschnitten bekommt man den Eindruck, dass eigentlich ein auktorialer Erzähler am Werk ist. So wird von einem Satz zum nächsten die Handlung aus Sicht eines anderen Charakters geschildert und im nächsten wieder zum vorherigen zurückgesprungen. Diese Sprünge hemmen vor allem in den ersten zwei Kapiteln sehr stark den Lesefluss. Immer wieder muss sich der Leser neu orientieren, obwohl er eigentlich zunächst eine Welt kennen lernen möchte, um richtig in die Handlung hineinzufinden.
Auch hätte die Handlung an vielen Stellen gestrafft werden können, um so bei gleichem Umfang andere Szenen ausführlicher zu beschreiben und dadurch auch mehr Charaktertiefe zu erhalten. Ebenso wäre hierdurch auch die Verstärkung des Spannungsbogens möglich. Dieser ist derzeit leider sehr schwach, so dass der Leser eher aus Interesse weiter liest.
Aufmachung
Der Heftroman „Zwischen den Toren“ umfasst gerade mal 58 Seiten und besitzt damit auch keinen Buchrücken. Vielmehr wurden die Seiten einfach zusammengeheftet, wobei Vorder- und Rückseite aus verstärkter Pappe bestehen.
Das Cover ist vom gesamten Layout am besten gestaltet. Es passt sich gut in das Thema des Romans ein und weckt die Neugier des Lesers.
Beim restlichen Layout hätte man vor allem auf eine etwas größere Schrift setzen sollen. Es ist zwar immer noch lesbar, aber auf Dauer für die Augen anstrengend, da die Zeilen enger zusammen liegen und dadurch leicht ein Verrutschen möglich ist.
Auch wenn es sich um einen Kurzroman handelt, wäre eine Karte – gerne auch nur eine Skizze – zur Übersicht sinnvoll gewesen. Leider kann man kaum Entfernungen abschätzen oder die Lage der Länder wirklich beurteilen.
Ohne einen Blick auf den Inhalt zu werfen, wäre mir diese Art der Aufmachung keine 4,95€ wert. Vor allem wenn ich daran denke, dass ich bereits ab 7-8€ Romane im Taschenbuchformat mit 300 und mehr Seiten erhalten kann.
Fazit
Der Kurzroman hat Potential, ebenso der Schreibstil der Autorin. Aus der Idee könnte gut ein Roman über 300 Seiten entstehen. Die derzeitige Aufmachung und die zahlreichen Brüche im Lesefluss machen „Zwischen den Toren“ zwar zu einem netten Zeitvertreib, aber leider nur, wenn man ansonsten nichts Besseres zu tun hat. Schade!
Ich möchte dem Roman dennoch einen Punkt geben. Die Idee der Autorin ist sehr interessant und ich kann mir sehr wohl vorstellen von ihr noch mehr Texte zu lesen. Aber dann bitte nach einem besseren Lektorat. Hier hat der Verlag sehr geschlampt.
Punktabzug für:
- Aufmachung, v.a. Schriftgröße und daraus resultierend Preis/Leistung
- Schlechtes Lektorat
- Niedrige Spannung, wenig Charakteridentifikation
Phantastik Journal – Wertung: 




- Verlag: Arcanum Fantasy Verlag
- Erschienen: 2010
- ISBN: 978-3-939139-44-7
- Einband: geheftet
- Seitenanzahl: 58
- Sprache: Deutsch
- Reihe: Weltenwanderer
Hinweise
Rezension von Laura Kier
Vielen Dank an die Autorin für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


