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Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit

Geschrieben von am 4. August 2010 – 15:42Kein Kommentar

Die Zukunft: Die Menschen haben sich in der Galaxis ausgebreitet und zahlreiche Allianzen mit Ausserirdischen geschmiedet. Und sie haben – mittels hoch entwickelter Biotechnik – den Tod besiegt. Keine guten Zeiten also für unseren Helden, möchte man meinen, übt er doch den Beruf eines Profikillers aus. Doch dann erhält er wider Erwarten noch einen Auftrag. Einen Auftrag, der das Universum für immer verändern wird…

Inhalt
Esebian, ein ehemaliger Profikiller, hat vor zwanzig Jahren seinen Beruf an den Nagel gehängt und wurde Wissenschaftler. Mit seinen Forschungen hofft er, auf ehrliche Weise, genügend Meriten zu verdienen, die ihm die letzten zwei Stufen bis zur Unsterblichkeit ermöglichen sollen. Da bekommt er unverhofft den Auftrag den Unsterblichen El’Kalentar zu töten, was ihm die noch nötigen Meriten auf einen Schlag sichern würde. Sein Anschlag gelingt, jedoch wird er kurz darauf selbst zum Gejagten, als sein Auftraggeber ihn zu töten versucht. Doch auch Akir Tahlon, der den Mord an El’Kalentar aufklären soll, ist ihm auf den Fersen. Für Esebian beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn wenn er den nächsten Aufstieg verpasst wird er zu einem der Grauen, denen die Unsterblichkeit verwehrt bleibt.

Charaktere
Esebian durchläuft mehrer Entwicklungen sowohl innere als auch äussere. Im Laufe seines über 250 jährigen Lebens hat er mehrere Identitäten angenommen, die ihm wie innere Stimmen aus manch einer brenzligen Situation helfen. Interessant ist vor allem die Beziehung Esebians zu diesen Identitäten. Anfangs kämpft er noch gegen sie an, mit der Zeit lernt er aber, sie als Teil seines Selbst anzunehmen.
Leandra ist eine junge Mentalistin, die Esebian begegnet und ihn nicht mehr loslassen möchte. Sie fürchtet sich vor allem allein zu sein und Esebian ist nicht von Anfang an klar, ob er ihr vertrauen soll oder nicht.
Akir Tahlon ist der erste Hochkommissar des Direktoriats. Er steht vor dem letzten Aufstieg zum Unsterblichen und als er mit der Aufgabe betraut wird, den Mord an El’Kalentar aufzuklären, wird ihm dieser letzte Aufstieg in Aussicht gestellt. Sein Amt darf nur von einem Sterblichen ausgeführt werden und so befindet er sich in der Zwickmühle zwischen seiner Unsterblichkeit und der Erfüllung seiner Aufgabe. Als klar wird, dass der Mord nur die Spitze des Eisbergs ist und noch weitere Unsterbliche darin verwickelt sind, wird ihm mehrmals der direkte Aufstieg versprochen. Sein pingeliges Wesen lässt dies aber nicht zu und er verzichtet auf die Unsterblichkeit zum Wohl der Wahrheit.
El’Kalentar ist mit 6500 Jahren einer der ältesten Unsterblichen. Der Grund für seine Ermordung wirft sowohl bei Esebian als auch bei Tahlon Fragen auf. Beide entdecken jedoch, dass El’Kalentar an einem Geheimprojekt beteiligt war, das weit reichende Folgen für das Universum hat.

Die überwiegende Anzahl der Figuren sind Menschen, die mit biomechanischen Erweiterungen ausgestattet sind. Diese verbessern die Sinneswahrnehmungen, was Brandhorst anschaulich beschreibt. Viele Charaktere sind oberflächlich beschrieben und formen sich erst mit der Zeit im Kopf des Lesers. Spannend sind vor allem Esebian und Tahlon, die sich unter den selben Umständen ganz unterschiedlich entwickeln.

Stil
Das Buch ist in viele Kapitel unterteilt, die abwechselnd Esebian oder Akir Tahlon in den Fokus der Geschichte stellen. Die wichtigsten Technologien werden anschaulich erklärt und haben auch immer wieder direkten Einfluss auf das Geschehen. Vieles wird eher oberflächlich beschrieben und erklärt sich durch den Kontext selbst. Das ist einerseits schade, andererseits aber auch notwendig, da das Buch sonst wohl noch dicker und die Geschichte zäh geworden wäre. Brandhorst findet eine ausgewogene Mischung, die sich flüssig liest.

Fazit
Die Kinder der Ewigkeit ist gute Science-Fiction, die in einer durchdachten Welt spielt. Zukünftige Technologien wie Backups des menschlichen Gehirns oder mechanische Implantate sind anschaulich dargestellt und wirken glaubhaft. Spannende Ansätze, wie die Spaltung der Gesellschaft in Sterbliche und Unsterbliche oder die Auswirkungen winziger Veränderungen in einer Ereigniskette regen zum Nachdenken an. Absolut empfehlenswert.

Phantastik Journal – Wertung: ★★★★★

  • Autor: Andreas Brandhorst
  • Verlag: Heyne
  • Erschienen: 1.3.2010
  • Seitenzahl: 688
  • ISBN: 978-3-453-52610-5

Vielen Dank an den Heyne Verlag für die freundliche zur Verfügungstellung des Rezensionsexemplares.

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