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Bernhard Hennen: Alica

Geschrieben von am 1. Juli 2010 – 23:40Ein Kommentar

Mit „Alica“ ist im Januar 2010 ein schauriges Fantasy-Märchen von Bernhard Hennen erschienen, das inhaltlich nicht nur weitab von den letztjährigen und überaus erfolgreichen Elfenromanen liegt, sondern als Jugendbuch auch eine etwas jüngere Zielgruppe anspricht. Phantastik-Journal.ch durfte dem Autor ein paar Fragen zu seinem neuen Roman stellen.

Phantastik-Journal:
Hallo Bernhard, in „Alica“ geht es ausnahmsweise einmal nicht vorrangig um Elfen. Ist das für dich eigentlich ein seltsames Gefühl, wo du doch die letzten Jahre gedanklich hauptsächlich in der Albenmark unterwegs warst?

Bernhard Hennen:
Die Erstveröffentlichung, damals unter dem Titel „Alica und die dunkle Königin“, datiert auf das Jahr 2005. Das heißt, das Buch entstand in der Vorbereitungsphase für „Elfenwinter“, noch recht am Anfang meiner langen Schreibreisen nach Albenmark. Insgesamt liebe ich es, meine Arbeit abwechslungsreich zu gestalten. So  gibt es neben einem Hauptprojekt – und das sind in den letzten Jahren stets die Elfenromane –immer noch mindestens ein kleines Projekt, wie zum Beispiel die Arbeit am Bildband „Elfenwelten“ oder aktuell an einer Kurzgeschichte für eine Anthologie zur Rollenspielwelt „Myranor“. Darüber hinaus gibt es noch ein sehr geheimes Projekt, von dem ich hoffentlich in einem halben Jahr an dieser Stelle berichten kann.
:)

Phantastik-Journal:
Die Figur des Heinzelmann Wallerich ist wohl vielen Lesern noch ein Begriff. Kann man als Leser deshalb davon ausgehen, dass „Alica“ eine Art Fortsetzung von „Nebenan“ (Piper 2002) ist? Oder trifft das womöglich nur aus der Sicht Wallerichs zu?

Bernhard Hennen:
Eine Fortsetzung ist es in der Tat nur für Wallerich, der in diesem Roman gemeinsam mit der Möwe Schnapper einen zweiten Auftritt bekommt. Der Stil des Buches unterscheidet sich sehr deutlich von „Nebenan“, auch wenn es in beiden Fällen einen humoristischen Ton gibt. „Alica“ wurde für jüngere Leser geschrieben, obwohl mir einige testlesende Mütter versichert haben, die Liebesgeschichte im Buch brächte nicht nur Teenager zum Schwärmen.

Phantastik-Journal:
Die Aufmachung des Romans, insbesondere das Cover, lässt einen Ausflug in das Romantasy-Genre vermuten. Was macht für dich den Reiz an einer Geschichte aus, die sowohl humoristische als auch schauerliche Elemente beinhaltet, deren Ausrichtung aber eher „romantisch“ orientiert ist?

Bernhard Hennen:
Nun, das Cover ist eine unverhohlene Anlehnung an die „Biss-Romane“. Aber solche Covertrends aufzugreifen, ist im Buchgeschäft ja keine Seltenheit. Das Cover von „Die Elfen“ hat ja auch sehr viele… inspiriert. Bei „Alica“ muss man ganz klar sagen, es gibt keinen Vampir in der Geschichte. Nicht einmal in einer kleinen Nebenrolle. Es ist eine Geistergeschichte und eine Liebesgeschichte. Als ich Teenager war, habe ich sehr gerne Gespenstergeschichten gelesen. Anthologien zu diesem Thema füllen noch heute mehr als 1,5 Meter meiner Regalbretter. Und die Besten von ihnen lese ich alle paar Jahre noch einmal. Seit langem hatte ich große Lust, mich auch einmal an einer Geistergeschichte zu versuchen. Da das Buch aber für Jugendliche sein sollte, habe ich mich früh entschieden, es nicht zu hart anzugehen. (Obwohl es drei wirkliche gruselige Szenen gibt.) Deshalb sollte es als Kontrastprogramm auch was zu lachen geben. Und da war Wallerich genau der Richtige. Und die Liebesgeschichte… Ich fürchte, ich bin romantisch veranlagt. Es gibt kaum ein Buch von mir ohne eine Liebesgeschichte, auch wenn sie meist tragisch enden.

Phantastik-Journal:
Hast du eine besondere Beziehung zur Eifel, in der die Geschichte unter anderem spielt?

Bernhard Hennen:
Obwohl die Eifel für Kölner ein Synonym für das Ende der Welt ist, mache ich gerne Ausflüge dorthin. Ich liebe die Landschaft und die bewegte Geschichte der Region. Für Geschichten wie „Alica“ ist die Eifel ein ideales Setting. Im Übrigen müssen ja nicht alle Geistergeschichten in Cornwall oder Wales spielen.
:)

Phantastik-Journal:
Deine Sicht als Autor: Ist der allgemeine Trend zu Romantasy-Veröffentlichungen im Buchhandel weiterhin ungebrochen oder scheint das Ende bereits abzusehen?

Bernhard Hennen:
Da fragst du den Falschen. Ich habe der Romantasy vor drei Jahren eine Ablaufzeit von spätestens Sommer 2009 prognostiziert. Aber erfreulicherweise ist das Buchgeschäft nicht berechenbar. Inzwischen glaube ich eher, dass dieses Genre auf einem gewissen Niveau eine feste Größe im Buchhandel bleiben wird. Es gibt gewisse Indizien dafür, dass das Genre ein wenig schwächelt (auf hohem Niveau). Vielleicht ebbt es Ende 2011 ab. Was danach kommen wird, steht in den Sternen. So sehr ich persönlich „steam punk“ mag, glaube ich nicht, dass dies der nächste Trend werden wird. Für wahrscheinlicher halte ich ein wieder ansteigendes Interesse an klassischer Fantasy, wenn die „Hobbit“-Filme in die Kinos kommen.

Phantastik-Journal:
Was können wir als nächstes von dir erwarten? Geht es zurück zu den Elfen oder wird es dich in naher Zukunft womöglich an einen völlig anderen fantastischen Ort verschlagen?

Bernhard Hennen:
Als nächstes erscheint im November die überarbeitete Fassung eines historischen Romans von mir, „Könige der ersten Nacht“. Im nächsten Jahr werden dann je nach Veröffentlichungsdatum (die Termine stehen noch nicht fest), ein oder zwei Romane aus der „Drachenelfen“-Reihe publiziert werden. Außerdem stricke ich gerade an der Geschichte für ein Jugendbuch, das in Krefeld am Ende des zweiten Weltkriegs spielen wird. (Hier bin ich noch in einer sehr frühen Phase der Story-Entwicklung.)
Des Weiteren gibt es das oben angesprochene, besondere Projekt. Es hat mit Musik zu tun.
:)
Auch werden im nächsten Jahr fünf Hörspiele zum Roman „Elfenwinter“ erscheinen, bei denen es einige Prominente (unter anderem die Stimme von Julia Roberts für Emerelle) zu hören geben wird.

Phantastik-Journal:
Vielen Dank für das nette Interview.

„Alica“ von Bernhard Hennen ist bei Ueberreuter (Januar 2010) erschienen.

Zum Inhalt
Was als Reise auf das Rittergut ihrer Großeltern beginnt, wird für die junge Alica zum schaurigen Fantasy-Märchen der etwas anderen Art: In dem Gemäuer treibt ein Geisterfalke sein Unwesen und Alica verliebt sich bald in den jungen Husaren François, der ihr im Spiegel erscheint. Und dann taucht auch noch der Heinzelmann Wallerich auf. Während der auf modernste Technik setzt, verstrickt sich Alica bald immer tiefer in schwarze Magie. Denn sie will nicht nur ihren Auftrag erfüllen, sondern auch François wiedersehen. Dafür schreckt sie sogar vor einem Pakt mit der gefürchteten Dunklen Königin nicht zurück …

Über den Autor
Bernhard Hennen, Jahrgang 1966, hat Germanistik und Archäologie studiert. Als Journalist hat er für Radiostationen und verschiedene Zeitungen gearbeitet, bevor er sich ganz dem historischen Roman und der Fantasy verschrieb. Mit seinen Elfen-Romanen stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren.

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