Peter Schwindt: Schwarzfall
Ein kurzes Flackern kündigt die Katastrophe an: Plötzlich geht gar nichts mehr – weder Licht noch Telefon, weder Kühlschränke noch Klimaanlangen. Die ersten Versorgungsengpässe sind eine Frage von Stunden – und in den Vorstädten brechen Unruhen aus.
Inhalt
Der Sommer ist heiß. Seit drei Monaten hat es nicht mehr geregnet. Die Menschen schwitzen unter der Last. Klimaanlagen sind bald ausverkauft. Immerhin konnte Patrick noch eine ergattern. Sie ist für seinen zweieinhalbjährigen Sohn Marvin, damit er in der Nacht wieder durchschlafen kann. Aber auf dem Weg nach Hause passiert ein Unfall. Zum Glück wird niemand verletzt, außer dem Unfallgegner Harald Hellmann, dem Patrick vor Wut ins Gesicht schlägt.
Hellmann ist Lehrer und kennt so Typen wie Patrick, die viel zu jung, viel zu unerfahren plötzlich mit Freundin und Kind dastehen und ihr Leben nicht in den Griff kriegen. Er hasst solche Typen.
Als der Strom plötzlich ausfällt, trifft er die Hauptfiguren mitten in ihrem wackeligen Leben und sie müssen zusehen, wie es vor ihren Augen langsam zerbricht. Jessie schnappt ihren Sohn und verlässt Patrick; bei Hellmanns, deren Ehe nur noch zum Schein bestand, bricht der Streit auf und sie können es nicht mehr vor ihren Kindern verheimlichen.
Peter Schwindt entwirft Figuren, deren Beziehungen zueinander auf wackeligen Beinen steht, schon seit Jahren brodeln die Konflikte im Verborgenen, es bedarf nur noch eines Auslösers, dass der Streit offen ausbricht. Schwindt entscheidet sich für einen Stromausfall, der ganz Deutschland in Dunkelheit verbannt. Nicht nur, dass die Figuren mit ihren eigenen Konflikten nun klar kommen müssen, sondern auch mit der extremen Situation eines tagelangen Stromausfalls. Die Kühlschränke funktionieren nicht mehr, Lebensmittel verderben, es kommt zu Plünderungen der Supermärkte und Einkaufszentren. Die Polizei wird der Lage nicht mehr Herr und kapituliert und so ist die Bevölkerung sich selbst überlassen.
Einzig Hellmann blüht in der Katastrophe auf. Jetzt kann er sich endlich an den Asozialen rächen. Er gründet eine Bürgerwehr, deren Zweck es ist, das zu verteidigen, was er sich über die Jahre mühsam erarbeitet hat. Plötzlich steht Patrick vor ihm, um das Haus zu plündern. Und beide sind bewaffnet.
Schwindt zeigt die Abhängigkeit von Strom und Wohlstand, indem er den Menschen den Strom abdreht. Das bequeme Leben funktioniert nicht mehr und jeder muss sich auf seine Art durchschlagen. Doch in der Anarchie gibt es keine Regeln und die schöne Fassade, hinter der viele Menschen ihre Probleme verstecken taugt in der Katastrophe nicht mehr.
In weiten Teilen gelingt es Schwindt jedoch nicht die Düsternis und Beklemmung einer solchen Katastrophe deutlich zu zeigen. Zu sehr konzentriert er sich auf die brüchigen Beziehungen der Figuren, die aber in sich schon so brüchig waren, dass es der großen Katastrophe nicht mehr benötigt hätte, um die Konflikte offen auftreten zu lassen. Eine kleinere Ursache hätte hier genügt, allerdings sind dazu die Figuren zu schwach, um die Geschichte allein zu tragen. Andererseits wird aber der Stromausfall selbst zu wenig beleuchtet, als dass hier tatsächlich ein Katastrophen-Thriller vorliegt.
Schwindt gelingt es bei weitem nicht, einerseits interessante Figuren zu entwerfen, andererseits ein beklemmendes Szenario zu schaffen, wie dies einst Paul Gallico mit seinem berühmten Roman Poseidon gelungen ist, bei dem sich eine Gruppe Überlebender durch ein gekentertes Schiff kämpft.
Sprache/Stil
Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln. Die Sprache ist modern und passend. Übersichtliche Kapitel und regelmäßige Szenenwechsel halten die Spannung und so liest sich das Buch flüssig und schnell.
Charaktere
Die Charaktere sind schwach und farblos, dazu viel zu sehr in Klischees verhaftet. Dadurch sind sie für den Leser uninteressant und schaffen es kaum, durch die Handlung zu tragen.
Es gibt Hartz IV Empfänger, Jessie und Patrick, mit Kind Marvin, die sehr stereotyp gezeichnet sind. Die viel zu jungen Eltern, die mit ihrem Kind nicht fertig werden, der Vater, der zu Aggression und Egoismus neigt und nicht davor zurückschreckt seine Freundin und sein Kind zu prügeln.
Dagegen steht der Oberstudienrat, der sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet, sich in eine bessere Wohngegend gekauft und jeden Tag mit Proleten wie Patrick zu tun hat, die einfach nichts aus ihrem Leben machen wollen. Er hasst sie zutiefst, weil sie ihn an seine Herkunft erinnern. Der Stromausfall gibt ihm die Möglichkeit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu errichten und sich gegen das Pack, notfalls auch mit Gewalt, zu schützen.
Aufmachung
Das Buch liegt als Taschenbuch vor. Es umfasst 280 Seiten. Das Cover ist ganz in schwarz gehalten mit einer zerbrochenen Glühbirne.
Fazit
»Schwarzfall« ist ein Buch, aus dem man mehr hätte machen können. Die Katastrophe wird zu wenig beleuchtet und die Figuren sind zu schwach, als dass sie den Leser in den Bann ziehen würden.
Die auf dem Klappentext angekündigte Katastrophe kommt im Buch nicht so dramatisch heraus. Dafür wird zu sehr auf die Beziehungen der Figuren eingegangen, was aber genau die Schwachstelle des Buches ist.
Ein leichtes Buch für zwischendurch ohne bleibenden Eindruck.
Phantastik Journal – Wertung: 




- Autor: Peter Schwindt
- Verlag: Piper Verlag
- Erschienen: 03/2010
- ISBN-10: 3492258166
- ISBN-13: 978-3492258166
- Einband: Taschenbuch
- Seitenzahl: 282 Seiten
- Sprache: Deutsch
Vielen Dank an den Piper Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


