Jason N. Beil: Flucht nach Faerie
Flucht nach Faerie ist der Auftakt zu einer Saga um die Talismann-Kriege. Wie der Klappentext verrät, geht Jason N. Beil nach dem Strickmuster der klassischen High Fantasy vor. Mit interessanten Figuren in einer glaubwürdigen Welt schafft er einen mitreissenden Roman, der bereits Appetit auf die Fortsetzung macht.
Inhalt
Alek Maurer lebt glücklich als Bäckerlehrling in einem einfachen Bauerndorf nahe Tyridan. Als er jedoch ein uraltes Artefakt gewaltiger Macht entdeckt, gerät er ins Visier von Salin Urdrokk, einem dunklen Hexer, der es begehrt. Mit zwei Freunden, einem geheimnisvollen Einsiedler und einem abgetakelten Krieger muss Alek in eine Welt voller Gefahren und Intrigen flüchten – durch die unverzeichnete Wildnis im Norden von Tyridan, denn nur im Reich Faerie kann Alek eine sichere Zuflucht finden…
Charaktere
Die Ausgangslage präsentiert sich wie gewohnt. Der anfängliche Anti-Held, Alek Maurer, geniesst das beschauliche Leben in seinem Dorf. Er ist noch nicht weit herumgekommen und möchte das auch nicht. Umso mehr erschüttert es ihn, als er erfährt, dass er einen Talismann, den er gefunden hat, weit in den Norden bringen muss, um ihn vor den Fängen, des bösen Salin Urdrokk in Sicherheit zu bringen.
Unter anderem hilft ihm Michael, ein Einsiedler, der im Dorf ein zweifelhaftes Ansehen besitzt, vor Salin zu fliehen. Michael gibt nur wenig von sich Preis. Im weiteren Verlauf der Reise muss er sich jedoch seiner Vergangenheit stellen, vor der er lange Zeit flüchtete.
Später schliesst sich den Helden Lorn an, ein abgehalfterter Krieger, der seine Vergangenheit und sein Selbstmitleid in Alkohol ertränkt. Ähnlich wie Michael muss auch er sich seinen inneren Dämonen stellen und mit seiner Vergangenheit aufräumen.
Der Hexer Salin Urdrokk verkörpert die böse Seite zusammen mit einer Handvoll Schergen, die letztendlich dem Seth dienen, eine Art dunkler Lord, der die Weltherrschaft an sich reissen will. Die bösen Charaktere sind im Gegensatz zu den Helden etwas oberflächlich gehalten und bedienen die gängigen Klischees.
In der Heldentruppe liegt die eigentliche Stärke des Romans. Der Werdegang Alek Maurers erinnert stark an Frodo Beutlin aus Herr der Ringe. Im Gegensatz dazu werden Maurer aber ausgelaugte Abenteurer zur Seite gestellt, die mit ihrem Schicksal hadern. Das bietet einen angenehmen Kontrast zu allzeit bereiten Weggefährten vom Format eines Aragorn oder Legolas. Es bietet aber auch andere Möglichkeiten, die Beil gekonnt nutzt, um glaubwürdige Figuren zu schaffen, mit denen der Leser bald mitfühlt.
Stil
Der Roman ist in klassischer High-Fantasy-Manier gehalten. Jason N. Beil entpuppt sich als talentierter Erzähler der mit Spannungsmomenten umzugehen weiss. Er konstruiert eine glaubwürdige Welt mit allerlei Fantasy-Kreaturen. Vieles dürfte dem geübten Fantasy-Leser bekannt vorkommen, dennoch wirkt Beil nie billig oder nachahmend. Die deutsche Übersetzung ist gut gelungen und liest sich flüssig. Der Leser taucht schnell in die fremde Welt ein, die ist so gut beschrieben ist, dass sie so fremd gar nicht scheint.
Fazit
“Flucht nach Faerie” ist klassische High Fantasy mit interessanten Figuren. Die Charaktere auf der bösen Seite sind zwar etwas flach gehalten, trotzdem lädt die glaubwürdige Welt mit vielen Fantasy-Wesen zum Verweilen ein. Teil 2, “The Sword of Kings”, ist bereits auf Englisch erschienen. Man darf also gespannt sein, ab wann die deutsche Übersetzung in den Regalen steht.
Phantastik Journal – Wertung: 




- Autor: Jason N. Beil
- Verlag: Ueberreuter, Otherworld
- Erschienen: Januar 2010
- Seitenzahl: 448
- ISBN: 978-3800095162
Vielen Dank an den Ueberreuter Verlag für die freundliche zur Verfügungstellung des Rezensionsexemplares.


