Thursday September 9th 2010

Stephan R. Bellem: Bluttrinker

Kann man die alten Götter schwächen, indem man die Menschen dazu bringt, nicht mehr an sie zu glauben? Gottgleich zu werden und sich über die anderen zu erheben im Kampf um die Vorherrschaft auf Kanduras werden vier verschiedene Charaktere alles versuchen, um an ihr Ziel zu gelangen. Vier Schicksale vier Einblicke in menschliche Abgründe. In Zeiten, in denen die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, kämpfen sie um ihren Platz in einer Welt, die im Dunkel der Nacht zu versinken droht.

Inhalt
In Kanduras leben Orks, Trolle, Zwerge, Menschen und Elfen friedlich nebeneinander. Eines Tages beginnt jedoch eine Truppe von Trollen, angeführt durch Karandras, Dörfer und Städte zu plündern. Die Fürsten der verschiedenen Reiche beschliessen, sich zusammen zu tun, um geschlossen dem Feind gegenüber zu treten. Karandras forscht seinerseits nach einer Zauberformel, um einen Dämonen zu befreien, der vor Urzeiten in die Niederhöllen verbannt wurde. Wenn ihm dies gelingt versinkt ganz Kanduras im Chaos.

Charaktere
Karandras versucht durch Magie gläubige Anhänger zu bekommen, um die Vorherrschaft auf Kanduras zu erlangen. Der Magier Gordan führt Menschen, Elfen und Zwerge zusammen, und zieht gegen Karandras in den Krieg. Iphelia ist eine Fürstin bei den Menschen. Sie leidet an einer unbekannten Krankheit und trinkt auf Anraten ihres Heilers Blut als Medizin. Das stellt einen Zusammenhang zum Titel her obwohl sie in der Geschichte eher eine Nebenrolle bekleidet. Throndimar ist ein Bauer. Als Barbaren seine Frau ermorden schwört er Rache. Später wird er zum General der Menschen erwählt und zieht in den Krieg wo er auch Gordan bei seinem Vorhaben unterstützt.
Die einzelnen Handlungsstränge sind nur lose miteinander verknüpft und wirken oft etwas gesucht. Beispielsweise kämpft Iphelia verzweifelt gegen ihre Krankheit, um den Fortbestand Ihres Reiches zu sichern. Die Episoden in denen sie mit Ihrem Heiler nach neuen Wundermitteln sucht, wirken aber fast wie eine eigenständige Geschichte, die zufällig auch noch zu dieser Zeit spielt und für die Entwicklung des Haupterzählstranges nicht relevant ist.

Stil
Mehrere Erzählstränge beginnen erst unabhängig voneinander und verflechten sich mit dem Fortgang der Geschichte zunehmend. Schnelle Kampfszenen vermögen zu fesseln und stellenweise leidet man als Leser mit den Protagonisten mit. Manchmal fiebert man auch einem drohenden Angriff entgegen oder trauert mit einer Figur um den erlittenen Verlust.
Oft wirken aber die Szenen abgeflacht und nur allzu bekannt. Klischees werden bedient, die Dinge geschehen so, wie sie vorhersehbar sind, wie sie auch schon in vielen anderen Romanen geschehen sind. Manchmal entsteht der Eindruck, dass bekannte Vorlagen neu gemischt wurden. So erinnert etwa die Figur Gordan stark an Gandalf aus Herr der Ringe jedoch ohne Tiefe oder sorgfältig herausgearbeitete Charakterzüge. Zu oft lächelt er sein spitzbübisches Lächeln oder handelt unvorhersehbar während seine wahren Motive dem Leser verborgen bleiben. So sind es denn auch hauptsächlich die zweidimensionalen Charaktere, die der sonst bunten Fantasywelt die Farbe rauben.

Fazit
Teilweise nicht nachvollziehbare Handlungen und stereotype Figuren lassen den Glanz vermissen, der im Klappentext versprochen wird. Das ist schade, ist doch die Geschichte wie auch die Welt, in der sie spielt vom Ansatz her sehr gelungen. Die Figuren und auch das Setting, in dem die Geschichte ihren Anfang nimmt, bieten durchaus das Potenzial für einen Bestseller. Bellem bleibt jedoch bei einem einfachen Strickmuster und kommt oft nicht darüber hinaus, die Konflikte der Protagonisten zu offenbaren. Das eigentlich Interessante, wie die Figur mit ihrem Schicksal umgeht und an ihrer Aufgabe wächst, findet beim Grossteil der Charaktere keine Beachtung. Die spannenden Ansätze lassen aber auf weitere Romane des jungen Autors hoffen.
Für anspruchsvollere Leser von Fantasy ist “Bluttrinker” eher nicht zu empfehlen.

Phantastik Journal – Wertung: ★★☆☆☆

Vielen Dank an den Ueberreuter Verlag für die freundliche zur Verfügungstellung des Rezensionsexemplares.

  • Autor: Stephan R. Bellem
  • Verlag: Ueberreuter Verlag, Otherworld Fantasy
  • Erschienen: 2010
  • Seitenzahl: 440
  • ISBN: 978-3-8000-9515-5
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