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Olga Krouk

Geschrieben von am 3. März 2010 – 09:02Ein Kommentar

Im Januar ist im Heyne-Verlag mit „Schattenseelen“ der Auftakt zu einem dreibändigen Romantasy-Thriller von Olga A. Krouk erschienen. „Schattenseelen“ konnte sich darüber hinaus bei der Wahl der Lieblingsneuerscheinung des Monats auf dem Heyne-Blog gegen eine harte Konkurrenz  durchsetzen, was durchaus eine beachtliche Leistung ist. Um zu erfahren, was es mit den Nachzehren und Metamorphen auf sich hat, durfte Phantastik-Journal ein Interview mit der Autorin führen.

Hallo Olga, stelle dich für unsere Leser doch bitte einmal kurz vor.

Da ist sie, die schwierigste Frage aller Fragen. Obwohl mein Leben bis jetzt viele spannende Wendungen hervorgebracht hat, ist es immer schwierig, etwas über sich selbst zu erzählen und die Leser nicht zu langweilen. Ich wurde in Moskau geboren, konnte jedoch die Stadt selbst nie richtig kennenlernen, da meine Familie sehr bald in die Ukraine gezogen ist. 1991 ging es dann nach Sankt-Petersburg, die ich als meine Heimatstadt bezeichne.

Am liebsten würde ich alles durchplanen und mich ohne Abweichungen an diesem Plot entlangleben. Doch sehr früh musste ich feststellen: Das geht nicht, denn sogar die ganz „sicheren“ Dinge werden plötzlich völlig auf den Kopf gestellt. So bin ich 2001 nach dem College Abschluss in Sankt-Petersburg nicht etwa dort weiter zu einer Uni gegangen, sondern nach Deutschland gekommen. Drei Jahre später ging es genauso spontan von Berlin nach Schleswig-Holstein. Und auch jetzt arbeite ich nicht in irgendeinem Großraumbüro, sondern schreibe Romane. Ein Traum, der wahr geworden ist und hoffentlich auch wahr bleibt.

Wann und wie bist du zum Schreiben gekommen?

Zum Schreiben bin ich durch das Lesen gekommen. Immer, wenn ich mit dem Ende einer Geschichte unzufrieden war, habe ich mir ein neues ausgedacht. Oder gleich eine kleine Fortsetzung. Geschrieben habe ich bereits in der 3. Klasse, als ich Märchen für meine Mitschüler zu Papier brachte. Danach folgte eine Pause bis zum Teenageralter, indem ich wieder zu Stift und Papier gegriffen habe.

Der einzige Grund, warum meine Schubladen nicht von unveröffentlichten Romanen platzen, liegt allerdings darin, dass ich mit meinen Anfängen stets unzufrieden war und sie immer und immer wieder überarbeitet habe. Mit häufigem Schluss: Irgendwann verwarf ich eine Idee und griff dann zu einer neuen.
So war der erste zu Ende gebrachte Roman mein Debüt: „Staub zu Staub“, der 2007 im Sieben-Verlag erschienen ist.

Was erwartet den Leser in „Schattenseelen“?

Nina Blazon hat für „Schattenseelen“ einen wunderbaren Begriff erfunden: Romantasy-Thriller. Das Buch vereint in sich fantastische Elemente, eine actionreiche Thrillerhandlung und eine – recht komplizierte – Liebesbeziehung. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die aus ihrem geordneten Leben gerissen wird und inmitten eines Krieges, der um sie herumtobt, zu sich selbst finden muss.

Evelyn, die Hauptfigur, ist keine typische romantische und liebreizende Heldin. Durch ihre Vergangenheit gezeichnet, ist sie oft wankelmütig, verletzend – aus Angst, selbst verletzt zu werden. Sie ist nicht einfach, genauso wie ihre Geschichte. Ob sie doch noch glücklich werden kann? Bei solchen Fragen kann ich mich nie kurz fassen. Eine Antwort zieht sich gerne mal auf ca. 470 Seiten hin und wird womöglich mit einem schönen Cover verziert.

Wie unterscheiden sich deine Nachzehrer und Metamorphen von den momentan überstrapazierten Romantasy-Figuren: den Vampiren?

Metamorphe haben mit Vampiren nichts gemeinsam, sie weisen bloß ein paar Gestaltwandler-Aspekte auf. Sie haben ein Seelentier an ihrer Seite, mit dem sie sich geistig verbinden und so in dessen Körper agieren können. Es ist also in erster Linie eine geistige Wandlung. Mit der Zeit allerdings erlangen sie einige Fähigkeiten des Tieres, müssen aber zum Teil ihre menschliche Wahrnehmung einbüßen. So ist Linnea, die Königin der Hamburger Metamorph-Gemeinde, blind wie ihre Schlange, verfügt aber über Infrarotsicht.

Die Nachzehrer (oder Totenküsser) kommen den Vampiren schon näher. Am besten lasse ich Professor Herzhoff zu Wort kommen, der Evelyn im Roman die gleiche Frage beantwortet: „Ihre Opfer werden nicht zu den ihresgleichen. Ein Totenküsser entsteht nur durch die Schwarze Magie einer Hexe, oder er gibt den Fluch an seinen Nachkommen weiter. Pflöcke, Kreuze, Köpfen, Weihwasser dürften bei ihnen eine eher enttäuschende Wirkung haben – es ist unmöglich, einen Nachzehrer umzubringen. Außer … sie hungern aus – aber ich würde mich nicht auf diese Auskunft verlassen. Sie saugen kein Blut, sondern die Lebensenergie aus. Ihre toten Körper bleiben im Grab, deshalb nehmen einige an, ein Totenküsser verließe niemals den Sarg. Das tut er, sobald er dazu genug Energie hat, aber zuerst kehrt er als Geist wieder.“

Die Stadt Hamburg dient als Kulisse für deinen Roman. Was genau fasziniert dich an dieser Stadt, dass nicht einfach irgendeine andere in Frage kam?

Ich finde, jede Stadt verbirgt in sich genug Mystisches, um eine wunderbare Kulisse für so einen Roman zu liefern. In Hamburg hat mich ganz besonders der Pesthof fasziniert, und die Gerüchte, dass unter dem berühmt-berüchtigten Stadtviertel St. Pauli bis heute geheime Gänge dieser Einrichtung erhalten sind.
„Schattenseelen“ zeigt also vor allem die mystische Seite der Hansestadt, es ist kein Reiseführer durch Touristenobjekte, Problembezirke oder Einkaufsmeilen. Aber genauso wie andere Figuren entwickelt sich auch Hamburg in der Trilogie weiter und zeigt immer mehr von seinem geheimnisvollen Gesicht.

Deine erste Romanveröffentlichung war ein Mystery-Thriller (Staub zu Staub, Siebenverlag). Wie kam der Genre-Wechsel zur Romantasy zu Stande?

Im Grunde war das kein großer Wechsel, denn auch „Staub zu Staub“ beinhaltet eine Liebesgeschichte und fantastische Elemente, auch wenn dieser Roman sehr religionslastig ist. So verliebt sich Mirjam in einen wundersamen Geiger, dessen Blut heilen kann, und muss zusammen mit ihm vor einer ominösen Glaubensgemeinschaft fliehen. Man merkt also: Romantik, Spannung und Fantastik sind auch in „Staub zu Staub“ fast im gleichen Maße zu finden.

Hat sich dein schriftstellerisches Arbeiten verändert, seit Heyne dich unter Vertrag genommen hat?

Ich habe mein bestes für den Sieben-Verlag gegeben und das Gleiche habe ich natürlich auch für Heyne getan. Es spielt für mich keine Rolle, wie groß und renommiert der Verlag ist, für den ich gerade schreibe, ich würde immer versuchen, eine qualitative Arbeit abzuliefern.
Aber mehr Erfahrung steigert natürlich auch die Qualität. Mit jedem Roman versuche ich mich zu verbessern, arbeite an meinem Stil und dem Ausdruck, an den Problemzonen, die mir das Schreiben schwer machen. Ich habe noch viel zu lernen und hoffe, dass bei jedem Text noch eine kleine Steigerung möglich sein wird.

Als Mitarbeiterin der Zeitschrift „Nautilus – Abenteuer und Phantastik“ (zuständig für Neuerscheinungen, Rezensionen und Interviews) kommst du ständig mit den Arbeiten vieler Kollegen in Kontakt. Irritiert dich das manchmal in deinen eigenen Geschichten (Nein, keine Hegemann-Plagiatsfrage!) ?

Ich denke, die Karriere eines jeden Autors beginnt mit folgendem Schritt: viel, sehr viel Lesen. Nur die Faszination an anderen Büchern kann einen dazu bewegen, selbst zu einer Feder zu greifen.
Die Romane von Kollegen irritieren mich nicht – denn ich habe genug eigene Ideen, die ich verwirklichen möchte. Aber durch das Analysieren anderer Bücher trainiere ich mir einen besseren Blick für meine eigenen Texte an. Ein außergewöhnlicher Roman spornt mich noch mehr dazu an, besser zu werden und an meinen Sätzen zu feilen.

Wie lässt du dich inspirieren? Woher kommen deine Ideen?

Das ist schwer zu sagen. Ich denke, viele Ideen entstehen einfach aus dem Thema heraus, das mich interessiert. Wenn ich mir sage: Hm, ich würde gern etwas Vampirmäßiges schreiben, dann beginnt mein Kopf zu arbeiten und die Ideen zu produzieren. Was lässt sich aus dem Thema machen, was vielleicht andere Autoren noch nicht gemacht haben? Welches Setting bräuchte ich für die Geschichte? Welche Figuren muss ich nehmen und in welchen Beziehungen stehen sie zueinander?

Wie geht es weiter mit der Trilogie? Und was kommt danach?

Im Juni kommt der 2. Band in die Buchläden. Zwar spielen dort andere Figuren die Hauptrollen, doch die Geschichte um die Welt der Nachzehrer und Metamorphe wird weitererzählt. Es ist also kein Roman, der nur lose mit dem 1. Teil verbunden ist. Die Trilogie ist wie ein großes Puzzlebild und jeder Band liefert weitere Stücke zur Vervollständigung, manchmal bekommt man sogar einen anderen Blickwinkel auf die Ereignisse als zuvor. Das große Ganze erschließt sich dem Leser also erst mit dem letzten Kapitel des letzten Bandes.

Was nach der Trilogie kommt, bleibt erstmal abzuwarten. Im Moment beende ich gerade den 3. Band und danach wird das Thema „Nachzehrer“ für mich sehr lange erledigt bleiben. Denn ich brauche Abwechslung und möchte mich nach der Trilogie auf jeden Fall anderen Themen zuwenden.

Vielen Dank für das Interview.

Wer mehr über die Autorin Olga Krouk erfahren möchte, kann dies auf ihrer Webseite tun.



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