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Gegen die Finsternis (Melissa Marr)

Geschrieben von am 9. März 2010 – 16:47Kein Kommentar

Niall konnte sie auf dem Weg zum Club kaum ansehen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass man ihm erlauben würde, eine Beziehung mit einer Sterblichen einzugehen, schon gar nicht mit einer, die unter dem ganz besonderen Schutz der Sommerkönigin stand.
Oder doch?
Seine Königin hatte ihn gebeten, für die Sicherheit der Sterblichen zu sorgen, also würde er genau das tun. Er konnte der Verlockung widerstehen.
Aber er musste trotzdem seine Hand zur Faust ballen. Dieses Verlangen , seine Haut an ihrer zu reiben, diesen Drang, ihr ganz nah zu sein, hatte er sein Jahrhunderten nicht mehr so stark verspürt.

Inhalt:
Leslie hat es nach dem Verschwinden ihrer Mutter nicht leicht. Ihr Vater verschließt sich vor seinen Kindern und Ren, ihr Bruder, dealt mit Drogen und tut nichts um seine Schwester vor seinen kriminellen Kumpanen zu schützen. Als Leslie wieder einmal das Gefühl hat zu ersticken, entschließt sie sich, ein Tatoo machen zu lassen. Die üblichen Entwürfe gefallen ihr überhaupt nicht und so schlägt ihr Rabbit, der Besitzer des Tatoo-Shops, vor sich einige ganz spezielle, geheimnisvolle Muster in einem alten Buch anzusehen.
Besonders eines davon, das ein paar Augen, keltische Knoten, ein Kreuz und ein paar dunkler Schwingen zeigt, spricht Leslie ganz besonders an und sie möchte es unbedingt haben. Rabbit ist davon nicht angetan, lässt sich aber von ihr überreden. Sie weiß nicht, dass sie sich mit dem Tatoo auf Gedeih und Verderb in die Hand des Schattenfürstes Irial begibt.
Nach der ersten Sitzung, bei der die Konturen gestochen werden, fühlt sie sich schwach und seltsam, erholt sich aber wieder. Es fällt ihr auf, dass sich die Welt um sie herum verändert. Sie sieht Schatten, hört Stimmen und erst als sie von ihrer Freundin Ashley, der Sommerkönigin,  in das Geheimnis der Elfenwelt eingeweiht wird beginnt sie die Tragweite ihrer Entscheidung für das Tatoo zu erahnen. Niall, ein ehemaliger Schattenelf, in den Diensten des Sommerkönigs hat sich in Leslie verliebt und versucht sie zu beschützen. Doch es ist bereits zu spät. Unter dem Bann der Tatoos steht sie völlig unter dem Einfluss von Irial und Gabriel der wehrhafte Hundself, Irials rechte Hand, kümmert sich um ihren Schutz und sorgt dafür, dass ihr niemand zu nahe kommt.
Erst als Leslie selbst bemerkt, dass durch Irials Schutz gleichzeitig ihre Lebenskraft schwindet wird ihr bewusst, dass sie um ihr Leben kämpfen muss.

Charaktere:
Leslie
die eigentliche Hauptperson ist nicht wirklich gut herausgearbeitet und wirkt daher ziemlich farblos und blass. Es fehlt ihr die Möglichkeit zu wachsen und das Konfliktpotential, das in ihrer Figur steckt, wird leider bei weitem nicht ausgereizt. Ihr innerer Antrieb für ihre Handlungen ist nicht immer glaubhaft und wirkt oft schwach. Deswegen gelingt es ihr auch nicht, eine wirklich faszinierende Protagonistin darzustellen. Irial, der König des Schattenhofes verhält sich so schattenhaft, wie der Name seines Hofes lautet. Für den Bösewicht, der Leslie gegen ihren Willen seinen Willen aufzwingt ist er zu nett und verständnisvoll, für den freundlichen Beschützer, etwas zu heimtückisch. Sein Charakter ist ebenso schwer greifbar, wie seine Handlungen. Dadurch nimmt er den Platz der grauen Eminenz des Romans ein. Die interessanteste Person ist Gabriel der Hundeelf. Er ist der Leibwüchter und die rechte Hand von Irial. Seine Beschreibung ist gut gelungen und man kann ihn sich gut vorstellen. In seiner absoluten Treue zu seinem Herrn und seinem rabiaten Wesen ist er eine wirkliche Bereicherung der Geschichte. Niall, der ehemalige Dunkelelf und nun Vertraute des Sommerkönigs, ist sehr loyal und würde Leslie gerne helfen. Das kann er aber nicht, da ihm schon von Beginn der Geschichte an bis zum Schluss aktionsmäßig die Hände „gebunden“ sind. Schade, er wäre ein interessanter Charakter gewesen, in dem eine Menge Potential gesteckt hätte. Ren, Leslies böser Bruder wirkt schwammig und konturenhaft und schwankt zwischen großem blöden Bruder und unangenehmen Fiesling hin und her.
Die Hauptpersonen des ersten Bandes Ashley und Keenan treten nur ab und zu als Gastauftritt in Erscheinung und tragen selbst nicht wesentlich zum Verlauf der Handlung bei.

Stil/Sprache:
Die Geschichte ist betont salopp geschrieben und zielt – wie auch der erste Band “Gegen das Sommerlicht – in Stil und Sprache auf eine eher weibliche Leserschaft ab. Die Altersempfehlung ab 16 ist gut gewählt, da die gestreiften Themen so wie auch der Schreibstil dieser Altersgruppe entsprechen. Hauptsächlich ist es das ultimative Tatoo und Leslies Angst und  Hilflosigkeit, um das sich der wesentliche Teil der Geschichte dreht. Zwar sind auch Themen wie Schwärmereien, Gewalt und Verliebtheit ganz nebenbei in die Handlung verwoben, doch sie drängen sich nicht vor.

Buchgestaltung:
Das Buch ist fest gebunden und mit einem Schutzumschlag versehen. Das Coverbild ist zwar ansprechend, lässt aber keine Rückschlüsse auf die Story zu. Der Buchtitel trifft im weiteren Sinn den Kern der Geschichte, allerdings verknüpft man ihn ebenso wie den Klapptext aber eher mit der Liebes- als mit der Abenteuergeschichte.

Fazit:
Gegen die Finsternis ist ein Roman der sich in der Jugendabteilung wohlfühlt. Er ist ein Fantasybuch mit hohem „Kuschelfaktor“, mit dem junge Mädchen ab ca. 16 Jahren durchaus Spaß haben werden. Die Idee von einem “dunkeln” Elfenhof trägt viel Potential in sich, leider konnte die Autorin die Möglichkeiten des Themas nicht voll ausschöpfen.

Phantastik Journal – Wertung: ★★★☆☆

Autor: Melissa Marr
Verlag: Carlsen
Erschienen: 2009
ISBN: 978-3-551-58169-3
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 336
Sprache: Deutsch
Übersetzer: Birgit Schmitz
Verfügbar: Verlag Carlsen, Amazon
Info: ab 16 Jahren

Hinweise:

Rezension von Alexandra Blaschke

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