Brian D’Amato: 2012 – Das Ende aller Zeiten
Nur die versunkene Welt der Maya kann den Weltuntergang noch verhindern
Der drohende Weltuntergang hat die Menschen seit jeher fasziniert und geängstigt zugleich.
Schon Kaiser Otto III, seinerzeit der mächtigste Mann der Welt, kroch auf dem Boden und gelobte Mönch zu werden, wenn sich dadurch das Jüngste Gericht, das von der Offenbarung des Johannes auf das Jahr 1000 prophezeit wurde, verhindern ließe.
Ob der Weltuntergang dadurch abgewendet wurde, ist nicht erwiesen. Tatsache ist, dass das drohende Ende der Welt seither unzählige Male prophezeit wurde.
Ein nächster Termin steht schon fest, Roland Emmerich wurde bereits zu einem Film angeregt und viele Bücher erscheinen derzeit zu diesem Thema. Es ist das Ende des Maya Kalenders, dass für den 21. Dezember 2012 berechnet wurde.
Ein Buch sei unter den vielen Erscheinungen hervorgehoben: Brian D’Amatos 2012 – Das Ende aller Zeiten.
Inhalt
Jed DeLanda, ein Maya, hochbegabt, was Kalender angehe, leidet unter Posttraumatischen Störungen, die sich wie das Asperger-Syndrom bemerkbar machen, eine leichte Form des Autismus.
Seit seiner Kindheit spielt er das Opferspiel. Ein Spiel, dass ihm seine Mutter beigebracht hat und mit dem es möglich ist Wahrscheinlichkeiten von Ereignissen, die in der Zukunft stattfinden, zu erspielen. Er nutzt das Spiel, um an der Börse zu spekulieren und wird dadurch reich und unabhängig.
Eines Tages erhält er die Möglichkeit einen Blick auf einen alten Maya-Codex zu werfen. Dort sieht er, dass die Maya in ihrer Blütezeit ebenfalls das Opferspiel gespielt haben und damit die Zukunft voraussagten. Allerdings spielten sie das Spiel in einer wesentlich komplexeren Variante. Und sie konnten damit das Ende aller Zeiten vorhersagen.
Um nun genau zu erfahren, was das Ende der Welt ist und ob es eine Möglichkeit gibt, dieses zu verhindern, muss Jed die komplexe Variante des Spiels lernen. Aber heute weiß niemand mehr, wie diese Variante gespielt wird.
Es gibt für Jed nur eine Möglichkeit, er muss zurück in die Vergangenheit und sich von den alten Maya das Spiel beibringen lassen. Und tatsächlich steht eine Zeitmaschine bereit. Dabei wird nicht der Körper in die Vergangenheit geschickt, sondern eine Kopie des Geistes. Der Jed, der in die Vergangenheit reist und das Spiel erlernt, muss also die Spielregeln aufschreiben und an einem sicheren Ort platzieren, damit sie von Jed in der Gegenwart gefunden und studiert werden können.
Das Buch gibt weit mehr her, als der reißerische Titel vermuten lässt und leider wird der Leser enttäuscht, der sich nur vom Cover leiten lässt. Es ist kein rasantes, schnelles Buch, das als Vorlage für eine Emmerich Verfilmung dienen kann. Es ist ein ruhiges, langsames, teilweise langweiliges Buch, das sehr detailreich, sehr kenntnisreich an die Kultur der Maya herangeht.
D’Amato verstrickt sich gerne in Details und räumt Figuren und Handlungen Raum ein, die die Welt der Maya bunt und lebendig, auch brutal werden lassen, die aber den Verlauf der Handlung pausieren.
Man lausche der Erzählstimme Jeds, die über die vielen, nennen wir sie ruhige Passagen, hinweg trägt, denn das ist die wahre Stärke des Buches, ein Ich-Erzähler, der allein durch seine Stimme charakterisiert wird und der dem Leser schnell sympathisch wird. Und vielleicht hilft diese Stimme das Ende der Welt zu ertragen.
Am Schluss driftet Jed philosophisch ab, denn, es ist noch gar nicht Schluss. Dies ist erst der erste Band einer Trilogie. Man wird also noch mehr über die Kultur der Maya erfahren. Und ob Jed das Ende der Welt verhindern, muss sich erst noch zeigen.
Sollte es Jed nicht glingen, bleibt auch in unserer Zeit die Hoffnung aus dem Jahr 1000 offen. Der mächtigste Mann der Welt wirft sich auf den Bauch und gelobt Mönch zu werden. Im Jahr 2012 wäre das Barack Obama.
Sprache/Stil
D’Amato erzählt aus der Ich-Perspektive. Es gelingt ihm dabei besonders geschickt, Jed eine ganz eigene und mitreißende Erzählstimme zu geben. Man muss dazu sagen, dass es einzig diese Erzählstimme und dieser lockerer, aber geniale Plauderton ist, der den Leser über weite Strecken beim Lesen hält, denn die Handlung flacht gerade im mittleren Teil ab.
Jed lässt den Leser an seinem unendlichen Wissen teilhaben, vergeht sich in mathematischen Formeln, Hintergründen und Details, die oft den Leser erstaunen lassen, manchmal aber einfach zu viel sind.
Charaktere
Zentrale Figur ist Jed DeLanda. Über ihn erfährt man am meisten, da ausschließlich aus seiner Sicht erzählt wird. Dadurch gelingt es dem Leser völlig in diese Figur einzutauchen.
Da Jed sehr grübelnd ist und sich in erster Linie mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, werden die anderen Figuren entsprechend beiläufig erwähnt. Sie werden zu Statisten, selbst Marena, mit der sich anfangs eine Liebesgeschichte andeutet, bleibt farblos, was dem Buch aber keinen Abbruch tut.
Aufmachung
Das Buch liegt als Taschenbuch vor. Mit seinen fast 900 Seiten ist es auch haptisch ein dicker Brocken.
Auf dem Cover ist die Skyline einer amerikanischen Küstenstadt zu sehen. Das Meer ist aufgepeitscht und in den brennenden Wolken zeichnet sich ein Maya-Relief ab.
Im Buch sind mehrere Karten abgedruckt, die die Gegenden zeigen, in denen die Handlung spielt.
Am Ende findet sich noch ein Glossar der häufigsten Maya-Wörter, sowie ein Hinweis über ihre Aussprache.
Fazit
Wer sich allein von dem Cover und der Emmerich Verfilmung leiten lässt, wird bei diesem Buch enttäuscht werden.
Der Weltuntergang 2012 ist hier lediglich die Rahmenhandlung, um die Kultur der alten Maya wieder aufleben zu lassen. Und auch wenn man sich darauf einlässt, ist das Buch über weite Strecken langatmig und D’Amato verstrickt sich in seitenweisen Beschreibungen, so wird eine Folterszene, deren Sinn, für den Verlauf der Handlung, unklar bleibt, über viele Seiten detailliert erzählt.
Es ist die Erzählstimme, die das Buch rettet. Was schade ist, da bei aller 2012 Hysterie dieses Buch mit seiner Detailkenntnis überzeugen könnte, ließe es nicht die Handlung hinter sich.
Phantastik Journal – Wertung: 




- Autor: Brian D’Amato
- Verlag: Luebbe Verlagsgruppe
- Erschienen: 2009
- ISBN-10: 3785760000
- ISBN-13: 978-3785760000
- Einband: Taschenbuch
- Seitenzahl: 896 Seiten
- Sprache: Deutsch
Vielen Dank an den Lübbe Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


