Matthias Falke: Die Gaugamela Trilogie – II – Das Museumsschiff
Nach der Bedrohung durch die Planetenschleuder des Sinesischen Imperiums konnten Commander Frank Norton und die anderen Crewmitglieder der Enthymesis sich auf die Event Horizon retten. Das größte Schiff der Menschheit wurde in den extragalaktischen Raum verlegt, um es den Nachstellungen der Sineser zu entziehen. Dort versucht die wissenschaftliche Abteilung verzweifelt, die Warpfähigkeit ihrer Sonden zu verbessern, um mit der sinesischen Technologie gleichzuziehen. Die Event Horizon beginnt mit der Kolonisierung ferner Welten. In den Korridoren zwischen den Galaxien entdeckt sie Vorkommen rätselhafter Dunkelwolken, die sich der Beschreibung durch die herkömmliche Physik entziehen. Dann taucht ein Schiff auf. Es reagiert auf keinen der Kontaktversuche. Schließlich gehen Norton und seine Crew, bestehend aus Jennifer Ash, der Pilotin Jill Lambert und dem Ingenieur Tayler an Bord. Das Schiff scheint ausgestorben. Es gleicht einem riesigen Museum und beherbergt seltsame mumifiziert wirkende Wesen. Doch während der Erkundung erwacht es plötzlich zum Leben …
Inhalt
Nach dem Lunoklasmus zieht sich die Event Horizon in die Tiefen des Alls zurück, nicht ohne vorher Kolonien ausgesetzt zu haben. Dazu löst sie einfach Segmente aus ihrem Rumpf und hinterlässt an jeder Station zwischen 50 und 1000 Mann, die die Warptechnologie der Sineser erforschen sollen.
Auch die Crew der Enthymesis beteiligt sich an der Forschung, dazu stellt sie sich mehrere Lichtjahre von der Event Horizon entfernt auf und sie schicken sich Ionentorpedos mit Warpantrieb zu.
Bei einem dieser Ausflüge findet sich die Enthymesis plötzlich in völliger Dunkelheit wieder. Nicht nur die Schwärze des Alls umgibt sie, sondern absolute Finsternis. Kein Licht der umgebenden Sterne und Galaxien erreicht sie. Eine beklemmende Stimmung herrscht an Bord. Einfach mit einem Warpsprung aus der Dunkelheit zu flüchten, wagen sie nicht, wer weiß, wie die sie umgebende Materie reagiert.
Sie erkunden den schwarzen Nebel und stellen fest, dass er zwar Licht absorbiert, dabei aber völlig kalt bleibt, dass er Gravitation ausübt, selbst aber masselos ist. Sie fliegen mit konventionellem Antrieb in Richtung Event Horizon zurück und irgendwann ist die Dunkelwolke tatsächlich zu Ende. Sie entdecken, dass diese Dunkelwolken überall im All vertreten sind und zwar immer an Bruchkanten, an Stellen, an denen Galaxien von einander weg driften und den Raum dehnen.
Und dann entdecken sie plötzlich ein Schiff. Es reagiert auf keinen Kontaktversuch und so wird die Enthymesis ausgeschickt das fremde Schiff zu erkunden. Norton und seine Crew gehen an Bord. Das Schiff scheint leer zu sein, außer dass es seltsame, scheinbar tote Wesen in sich trägt. Plötzlich erwacht das Schiff zum Leben. Es nimmt Fahrt auf und rast mit ungeheurer Geschwindigkeit davon und zwar so schnell, dass Galaxien vorbeigleiten wie Inseln vor einem Kreuzfahrtschiff.
Während sich die Crew der Enthymesis auf den Erstickungstod einstellt, fliegt das Schiff zielsicher einen Planeten an. Und welcher Planet das war, bedurfte keiner näheren Ausführungen mehr. Sie steuerten direkt auf Sina City zu.
Mitten im Feindesland kämpfen Norton und seine Crew sich den Weg frei. Durch die gesamte Stadt, werden sie von Sinesern verfolgt, als diese sich plötzlich zurück fallen lassen und die Verfolgung schließlich ganz aufgeben. In scheinbarer Sicherheit fährt die Crew eine Rampe hinab in eine Art Tiefgarage und versteckt sich dort. Als sie merken, dass sie nicht allein sind. Eine Million grün glühender Augen musterten [sie] mit kaltem Interesse.
Sie treffen auf Borq. Eine versklavte Rasse, die den Sinesern als Arbeitsheer dient. Die Borq sind der Crew freundlich gesinnt, erhoffen sie sich von ihnen doch die Befreiung aus ihrer Sklaverei. Sie stellen Jennifer und Norton einen Raumgleiter zur Verfügung, mit dem sie in die tiefen des Alls aufbrechen. Mit oszillierendem Warpantrieb, der es ermöglicht tausend Warpsprünge in der Sekunde zu machen, stoßen sie in die tiefsten Bereiche des Alls vor, sie lassen die Große Mauer und alle bekannten Sternen- und Galaxiesysteme hinter sich und dringen immer weiter in die tiefen des Alls vor, bis sie plötzlich eine vertraute Entdeckung machen.
Stil/Sprache
Der zweite Band liest sich noch spannender als der erste. Die erste Hälfte des Buches verläuft zwar sehr ruhig, es passiert vergleichsweise wenig (die Event Horizon liegt in den Tiefen des Alls und versucht die Warptechnologie der Sineser zu erforschen), das macht Falke aber mit seinem flüssigen Erzählstil wett. Auch gelingt es ihm so die Weiten des Alls und die Einsamkeit der Menschheit darzustellen. Es ist einfach angenehm seiner Erzählstimme zu lauschen bzw. Frank Nortons Ausführungen, denn aus seiner Perspektive wird berichtet. Es gibt zwei Szenen an denen Frank nicht anwesend ist und Falke einen Perspektivwechsel machen muss. Dies gelingt ihm spielerisch und ohne jeden Bruch.
Die Kapitel sind sehr umfangreich (zwischen 50 und 90 Seiten), auch das trägt zum ununterbrochenen Lesefluss bei, nicht nur sprachlich ist so eine Einheit geschaffen, sondern auch in der Gliederung.
Am Anfang eines jeden Kapitels, vereinzelt auch mitten in den Kapiteln, liefert Falke einen kriegsgeschichtlichen Überblick und stellt einen Bezug zu und Beweggründe für historische Schlachten der Menschheit dar. Spielerisch zieht er Parallelen zu den Konflikten und Schlachten, die sich die Menschheit mit den Sinesern liefert. Dies bereichert das Buch zusätzlich. Band 2 geht nahtlos aus dem ersten Band hervor, daher wird die Handlung, wo nötig, nur knapp nachgereicht.
Charaktere
Zum Vorgängerband kommt Taylor in die Crew der Entyhmesis. Er löst den WO Rogers ab.
Die Beziehung der Hauptfiguren Norton und Ash dringt in den Vordergrund. Die Ehe der beiden ist abgekühlt und erst in der zweiten Hälfte des Buches, als sie vor den Sinesern in die Tiefen des Alls fliehen, auf einem weit entfernten, aber paradiesischen Planeten bilden sie eine Symbiose aus zwei Menschen, die wieder zu einem Paar zusammen [wachsen].
Aufmachung
Das Buch umfasst 448 Seiten und liegt als Taschenbuch vor. Es ist in zwei Teile untergliedert mit vier bzw. zwei Kapiteln.
Auf dem Cover ist vor dem dunklen Hintergrund des Alls ein riesiges Raumschiff zu sehen.
Fazit
Das Museumsschiff ist ein gigantischer SF, der bis in die letzten Winkel des Alls vordringt und darüber hinaus geht. Auch und besonders sprachlich ist das Werk hervor zu heben. Ihm gelingt was nur wenigen gelingt, mit angenehmer Sprache auch bei ruhigeren Passagen den Leser zu fesseln.
Dieses Buch ist nicht nur für Science-Fiction-Fans geeignet. Jeder Leser, der sich an schöner Sprache erfreut, kommt auf seine Kosten.
Phantastik Journal – Wertung: 




- Autor: Matthias Falke
- Verlag: Mg Verlag
- Erschienen: 2009
- ISBN-10: 3931164284
- Einband: Taschenbuch
- Seitenzahl: 448 Seiten
- Sprache: Deutsch
Vielen Dank an den Autor für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Saving...

