Varley, John: Roter Donner
Der Wettlauf zum Mars hat begonnen – aber anders als wir denken …
Welche Nation landet zuerst auf dem Roten Planeten? Als China mit einem Raumschiff Kurs auf den Mars nimmt, nehmen die USA die Herausforderung an und starten selbst eine Rakete. Doch unbemerkt von den Großmächten macht sich noch ein drittes Schiff startfertig – gebaut von einem Ex-Astronauten, einem Genie und vier Teenagern. Ein unglaubliches Rennen im Weltall nimmt seinen Lauf …
Inhalt
Die Chinesen sind bereits vor einem halben Jahr zum Mars aufgebrochen, ihre Flugzeit beträgt insgesamt ein Jahr. Jahrelang hatten sie sich mit den Amerikanern einen Wettstreit geliefert, wer zuerst den Mars erreicht und nun sieht alles so aus, als würden die Chinesen die ersten sein.
Zwar ist es den Amerikanern gelungen eine Route durch das Sonnensystem zu finden, die nur ein halbes Jahr Flugzeit hat und sie sind gerade dabei eine VStar-Rakete zu starten, aber der errechnete »M-Tag«, der Tag der Landung auf dem Mars, liegt zwei Tage hinter der Landung der Chinesen.
Manuel Garcia ist Halblatino und leidet an einem Minderwertigkeitskomplex, »weil [er] mit zwanzig noch bei Mama wohnt« – und er hat immer schon »vom Weltraum geträumt«.
Gemeinsam mit seinen Freunden beobachtet er den Start der VStar. Auf der Heimfahrt unternehmen sie eine gewagte Spritztour über den Strand von Florida und überfahren dabei den besoffenen Ex-Astronauten Travis Broussard. Er überlebt leicht verletzt.
Sie befreunden sich an und der Zufall will es, dass Travis einen Cousin hat, der ein autistisches Genie ist, so verträgt er beispielsweise keine Schimpfwörter, erfindet aber gleichzeitig einen Antrieb, der »fast grenzenlose Energie schenkt«.
Mit diesem Antrieb gelingt es ihnen schließlich einen Motor für eine Rakete zu bauen, die es innerhalb von drei Tagen zum Mars schafft. Der schnelle Antrieb ist vorhanden, jetzt benötigen sie nur noch ein Raumschiff, an das sie den Antrieb montieren können, auf die Hilfe der NASA hoffen sie dabei nicht, also mieten sie eine Halle und beginnen ein Schiff zusammenzuschweißen. Ihnen bleibt noch ein knappes halbes Jahr.
Varley lässt den alten Sternenfahrerkonflikt wieder aufleben, der die 60er Jahre beherrschte, nur sind es diesmal nicht Russen gegen Amerikaner, sondern Chinesen gegen Amerikaner und einmal mehr hechelt Amerika diesem Wettlauf hinterher.
Zwar gelingt es ihnen eine schnellere Route zu finden, als sie die Chinesen benutzen, dennoch täuschen alle Berechnungen nicht darüber hinweg, dass die Amerikaner zwei Tage später auf dem Mars sein werden. Dieses Rennen ist quasi schon gelaufen. Die Physik ist da unerbittlich.
Erst durch das Eingreifen der Teenager und den Ex-Astronaut, werden die Gesetze der Physik gebrochen. Und dies im tatsächlichen Sinn.
Leider lässt Varley völlig offen, wie sein Antrieb funktioniert, eben aus dem Grund, weil es einen solchen Antrieb nicht geben kann. Er wurde aus einer alten Spielekonsole zusammengebastelt und selbst sein Erfinder Jubal »weiß nicht, wie er funktioniert.«
Leider deklariert Varley seinen Roman nicht eindeutig als Jugendbuch, denn nichts anderes ist er. Zu ungenau sind die Angaben über den Antrieb und auch die Lehre am Ende geht unter, eben weil der Antrieb nicht existieren kann. Daher bleibt die Geschichte eine schöne Geschichte, aber das triumphale Ende und die Lehre für uns, verlieren ihre Wirkung.
Stil/Sprache
Varley schreibt sehr langatmig. Bereits die Exposition nimmt etwa die Hälfte des Buches ein. Detailverliebt werden alle Charaktere mit ihren vollständigen Lebens- und vor allem Leidensgeschichten vorgestellt. Dass diese später für den Raumflug und die folgenden Ereignisse in dieser Detailfülle kaum noch eine Rolle spielen, scheint Varley nicht zu stören.
Die vier Teenager kommen aus schwierigen Verhältnissen, ihre Väter sitzen entweder im Gefängnis, wurden von Drogendealern erschossen, sind Alkoholiker oder Kontrollfreaks.
Klar, dass sie schnell einen Triumph in ihrem Leben brauchen, was bietet sich da besser an, als die ersten Menschen auf dem Mars zu sein.
Aber auch diese Belohnung schlägt leider fehl, da die Teenager alle soweit erwachsen sind, dass sie ihre Herkunft weitestgehend abgestreift haben und auch sonst kaum Beeinträchtigungen in ihrem Leben spüren. Das ganze klingt nach Jammern auf hohem Niveau und weckt beim Leser kaum Mitleid.
Fazit
Abgesehen von der Schwachstelle des Antriebs und der Langatmigkeit zu Anfang des Buches, liest es sich dennoch gut. Varley kann den Leser mit der Geschichte fesseln und gerade am Ende läuft er zur Hochform auf.
Für Jugendliche oder zur leichten Unterhaltung für Zwischendurch ist das Buch zu empfehlen. Das versprochene »atemberaubende Rennen« (Klappentext) hätte atemberaubender sein können, zumal Varley bzw. die Physik die Spannung aus dem Rennen nimmt. In einem Raumschiff kann man nicht Gas geben, wie in einem Auto, daher sitzt man nur herum, wie auch Manuel feststellen muss: »Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, wie langweilig es war, mit einem g zwischen den Planeten dahinzurasen.«
Somit reiht sich »Roter Donner« in die Reihe der Bücher ein, die man liest – und wieder vergisst.
Phantastik Journal – Wertung: 




- Erschienen: Juli 2009
- ISBN-10: 3-453-52582-5
- EAN: 9783453525825
- Einband: kartoniert/broschiert
- Erschienen bei: Heyne
- Seitenzahl: 543
- Gewicht: 443 g
- Sprache(n): Deutsch
- Übersetzt von: Ronald M. Hahn
- Ausstattung: 19 cm
Hinweis
Rezension von: Stefan Falke
Vielen Dank an den Heyne Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


