Thursday September 9th 2010

Markus Heitz

markus heitzAls Herr der Zwerge und Erschaffer der Welt von Ulldart hat er eine Vielzahl von Fans gewonnen. Vor einigen Jahren hatten wir schon einmal das Vergnügen ein Interview mit Meister Mahet, einem der derzeit erfolgreichsten deutschen Fantasyautoren, zu führen. Nun treffen wir uns wieder um über das zu sprechen, was in der Zwischenzeit passiert ist und um zu erfahren, was uns in Zukunft aus seiner Feder noch erwarten wird.

Zum Einstieg:

Phantastik Journal: Es ist eine Weile her, dass wir zuletzt ein Interview mit Ihnen geführt haben. Was würden Sie sagen war das Interessanteste, was in der Zwischenzeit in ihrer Schriftstellerkarriere geschehen ist?

Markus Heitz: Ich werte es mal als gutes Zeichen, dass sie noch nicht beendet ist. Das Interessanteste gibt es so gar nicht. Es passieren ständig Dinge, die furchtbar interessant sind, von Projekten wie Zwerge live auf der Bühne als szenische Lesung von Johannes Steck bis hin zur Verfilmung der Zwerge oder andere Projekte, die sich einfach ergeben.

Sie haben in den letzten Jahren so einige Male den Deutschen Phantastik Preis gewonnen. Würden Sie sagen, dass er noch den gleichen Stellenwert für Sie hat wie zu der Zeit, als Sie ihn das erste Mal gewannen?
Warum sollte er denn einen geringeren Stellenwert bekommen? Eher das Gegenteil ist der Fall. Es zeigt mir, dass die Fans mir die Treue halten – und in dem Jahr trotz Doppelnominierung mir Platz eins und zwei gesichert haben. Dieses Verhalten finde ich extrem beeindruckend, und ich weiß gar nicht, wie ich mich dafür bedanken kann.

Gerade in den letzten beiden Jahren wurden vermehrt Stimmen laut die behaupten der Preis wäre nicht mehr ernst zu nehmen, da hier nur verschiedene Fanlager versuchen würden, ihre Idole zu puschen. Wie würden Sie das sehen? Sind diese Diskussionen berechtigt?
Es ist ein Publikumspreis, und das war er schon immer. Das ist das alte “Problem” von Auszeichnungen, die nicht von einer abgeschlossenen Jury vergeben werden. Und dort, wo eine Jury am Werk ist, wird sich auch manchmal gewundert. Wie man es anstellt, scheint es verkehrt zu sein.
Übrigens wurde der erste Zwerge-Band NICHT ausgezeichnet, dafür aber der erste Ulldart-Band. Damals war mein Name allerdings noch lange nicht bekannt.

Welche Rasse ist Ihnen im Laufe der Zeit mehr ans Herz gewachsen, die Zwerge oder die Albae?
Sie sind beide sehr spannend, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und ich mag beide.

Mit „Ritus“ und „Sanctus“ haben Sie zwei Bücher geschrieben, die sowohl einen starken historischen Bezug hatten als auch der Gattung Dark Fantasy zugeordnet werden konnten. Was war an diesem Stoff so reizvoll für Sie?
Das Historische, ebenso wie bei “Kinder des Judas”. Weil der Leser selbst nachforschen kann, wenn es um die Fakten geht, die eingebaut sind. Und für mich besteht die Herausforderung darin, Erfundenes und Tatsächliches so zu verweben, dass es von der Leserschaft als harmonisch angesehen wird.

In Kürze:

Das letzte Buch das ich gelesen habe war:
Sturmträume von Nicole Schuhmacher.

Das beste Buch das ich bisher gelesen habe:
… fällt mir gerade nicht ein. Es gab sehr viele gute. Eine Einzelnennung wäre unfair. :o )

Mein Unwort des Jahres 2009:
Unwort. Denn ein Wort ist ein Wort ist ein Wort.

Das geht meiner Meinung nach gar nicht:
Warme Speisen ohne Pfeffer.

Das Jahr 2009:

In diesem Jahr gab es für Sie eine Menge Stress. Zwei Buchpremieren, eine Lesereise durch die Schweiz, einen Termin in den Niederlanden und dazu die beiden großen Deutschen Buchmessen. Wie lässt sich das alles unter einen Hut bringen?
Planung ist alles. Wie bei den Romanen. Und mit dem Laptop in der Tasche lässt sich dabei auch noch wunderbar arbeiten. Achtung, Schweiz: Wenn man seinen Adapter für die Steckdose nicht vergessen hat. :o ) Aber die Hotels sind auf vergessliche Deutsche wunderbar eingerichtet.

Was können Sie uns über Ihre Lesereise durch die Schweiz berichten? Wie empfanden Sie die Atmosphäre bei den Lesungen?
Alle waren sehr freundlich, sehr wissbegierig, aber mitunter vom Verhalten bei der Lesung sehr unterschiedlich: mal etwas ruhiger, mal sehr aktiv und auf jedes Wort achtend, mal laut oder leise klatschend – wie in Deutschland auch. Einen echten Unterschied oder etwas “Typisches” gab es nicht. Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Und überall habe ich Gothic-Läden gefunden. Ich habe keine Schokolade, sondern eine Krawatte aus der Schweiz mitgebracht.

Am 20.09. waren Sie in Arcen (Holland) auf der Elf Fantasy Fair. Was für Eindrücke haben Sie von dort mitgebracht?
Die mit Abstand eindrucksvollste Con, was das Ambiente angeht. Viel fürs Auge geboten worden. Schloss, Garten, von Fantasy bis Science Fiction – tonnenweise Kostüme. Kann ich nur empfehlen.

Wenn man Lesungen in unterschiedlichen Ländern hält, merkt man dann auch etwas von den unterschiedlichen Mentalitäten der Zuhörer? Inwiefern würden Sie sagen macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie gerade eine Lesung in Deutschland, in der Schweiz oder in den Niederlanden halten?
Nein, gibt es tatsächlich nicht, und das schließt meine Erfahrungen in Tschechien mit ein. Es wird am besonderen Leserschlag in Sachen Fantasy und Phantastik liegen. Die sind alle sehr nett, aufgeschlossen und wissbegierig.

Ihre letzte Lesung zur Premiere Ihres aktuellen Buches „Drachenkaiser“ am 24.09. in München wurde im Internet per Live-Stream übertragen. Eine Übertragung gab es auch über Buecherwahn.ch. War es ein anderes Gefühl, zu wissen, das hinter den Bildschirmen zu Hause viel mehr Menschen zusahen als bei einer „normalen“ Lesung?
Nein. Daran denkt man nicht. Also, ich dachte in dem Moment nicht daran. Klar hat man im Kopf, dass mehr Menchen zuschauen, aber es schränkte mich nicht ein. Ich finde es toll, dass die moderne Technik eine “Online-Lesung” ermöglicht.

Wie bereitet man sich auf ein solches „Event“ vor?
Wie immer – die Stellen vorher ein paar Mal lesen. Alles andere ergibt sich.

Die Albae in Ihrem Werk „Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn“ kommen, trotz all ihrer Grausamkeiten und ihrer zur Schau gestellten Brutalität in manchen Situation überaus menschlich daher. Würden Sie sagen, dass dies einfach Absicht war, da man dem Leser ja etwas geben muss, womit er sich identifizieren kann?
Wie bei den Zwergen ist der erste Band der Band für die Einsteiger. Nach und nach werden die Schrauben angezogen.

Nun ist es an der Zeit ein wenig hemmungslose Eigenwerbung zu betreiben. Warum sollte man sowohl „Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn“ als auch das Buch „Drachenkaiser“ lesen?
In Drachenkaiser bekommen die Leserinnen und Leser neue Einblicke in die Mechanismen der Wirtschaftskrise, mit denen sie so nicht gerechnet haben – obwohl das Buch in den 20er Jahren spielt. Aber damals gab es auch schon eine Krise… Und die Albae haben einfach ein Kunstverständnis, das man sich unbedingt näher betrachten sollte.

Endspurt:

Erzählen Sie uns doch ein bisschen was davon, was uns im Jahr 2010 aus Ihrer Feder erwarten wird.
Das wird ein Horror-Jahr. Anfang 2010, vermutlich zur Buchmesse in Leipzig, kommt “JUDASSOHN”, die Fortführung von “Kinder des Judas” und einigen anderen Strängen aus den Büchern vorher, gegen Ende des Jahres der Abschlussband. Im Mai erscheint COLLECTOR, eine DarkSpaceOpera. Böse, gemeine Dinge im Weltall. Das musste einfach sein!

Welchen Traum, in Bezug auf Ihre Arbeit als Schriftsteller, würden Sie sich gern im Verlauf der nächsten Jahre noch erfüllen?
An ein paar guten Verfilmungen meiner Bücher mit arbeiten. So richtig.

Die „Zwergen-Reihe“ umfasst (bisher) vier Bände. Haben Sie bereits geplant, auf wie viele Bücher zu den Albae wir uns freuen dürfen?
Die Albae bekommen insgesamt vier Bände. Es folgen also noch drei, der nächste Mitte 2011. Vermutlich.

Gibt es etwas, was Sie unseren Lesern noch mit auf den Weg geben möchten?
Benutzt mehr Pfeffer! Und bitte frisch aus der Mühle, nicht das vorgemahlene Zeug. Danke.

Vielen Dank für das Interview.

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