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Matthias Falke

Geschrieben von am 7. Juli 2009 – 19:15Kein Kommentar
Matthias FalkeMit seiner Kurzgeschichte “Harey” hat Matthias Falke den Dritten Platz beim Deutschen Science Fiction Preis 2009 erlangt. Sein Romanzyklus “Die Gaugamela-Trilogie” ist ein imposantes SF-Werk, das mittlerweile vollständig vorliegt und derzeit bei Phantastik Journal rezensiert wird.
Phantastik Journal spricht mit dem Autor über seine Beweggründe für die Gaugamela-Trilogie, darüber was ihm der DSFP bedeutet und warum seine Literatur nicht ganz so verkopft ist, wie manch ein Kritiker ihm vorwirft.
Lieber Matthias, Deine Erzählung „Harey“, Titelgeschichte des gleichnamigen Kurzgeschichtenbandes, kam soeben auf den Dritten Platz beim Deutschen Science Fiction Preis, sowie auf den Neunten Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis. Was bedeuten Dir diese Platzierungen?

Ich sehe darin eine Bestätigung meiner schriftstellerischen Arbeit, über die ich mich sehr gefreut habe. Seit zehn Jahren veröffentliche ich jetzt in Zeitschriften wie der „Fantasia“ oder dem „Story Center“, da stellen solche Platzierungen eine wohltuende Anerkennung dar, die Kraft für das weitere Schreiben gibt.

Wie würdest Du die beiden Platzierungen gewichten? Gibt es eine, die Dir mehr bedeutet?

Der Dritte Platz beim Deutschen Science Fiction Preis ist ein großer Erfolg. Ich habe damit einige etablierte Autoren hinter mir gelassen, langjährige Stammautoren der renommierten „NOVA“ etwa, das erfüllt mich schon mit einer gewissen Genugtuung. Der Neunte Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis scheint auf den ersten Blick nicht so viel herzumachen. Aber hier war die Nominierung schon die eigentliche Sensation, die mich sehr stolz gemacht hat. Der Laßwitz-Preis wird in der Regel unter den drei, vier Branchengrößen ausgemacht. Ohne den Support eines großen Verlages auf die Abstimmungsliste zu kommen, war, wie gesagt, schon ein kleiner Triumph.

Worum geht es in „Harey“? Gibt es so etwas wie eine Quintessenz?

Im Zentrum der Erzählung steht die Frage, was eigentlich eine Welt sei. Festgemacht wird das an der Erfahrung, dass wir inzwischen selbst Welten erschaffen können, im Cyberspace zum Beispiel. Die Story dreht sich ja darum, dass die Protagonisten in eine solche künstliche Welt einsteigen und dann, platt gesagt, nicht wieder herausfinden.

Der gleiche Plot wie in „Der Schirm“.

Genau. In beiden Erzählungen geht es um begehbare Environments, in die man buchstäblich „einsteigen“ kann. Dann steht man aber vor der Frage, ob und wie man wieder herauskommt.

Das Ende scheint in beiden Storys offen.

Auf alle Fälle sind die, die herauskommen, nicht mehr dieselben, die hineingegangen sind. Man wird verändert. Wir erschaffen nicht nur eine Welt, sondern diese macht auch etwas mit uns. Die philosophischen Implikationen muss jeder Leser selbst ziehen.

Was erwiderst Du auf den „Vorwurf“, Deine Texte seien philosophisch überfrachtet?

Ich habe Musikwissenschaft, Literatur und Philosophie studiert. In einzelnen Kritiken war zu lesen, das merke man den Texten auch an, es gereiche ihnen aber nicht unbedingt zum Vorteil. Wahr ist, dass ich versuche, bestimmte Fragestellungen in die Erzählungen einfließen zu lassen. Ich habe mich, als ich mich für das Dasein als Schriftsteller entschieden habe, aber dazu entschlossen, statt Aufsätze und Sekundärliteratur eben literarische Texte zu verfassen. Das heißt, ich erörtere die Fragen nicht theoretisch, sondern setze sie in eine Handlung um.

Dann sind Deine Storys so etwas wie verpackte Aufsätze oder bebilderte Essays?

Wäre das so schlimm? Die Science Fiction ist doch schon von der Genrebezeichnung her eine wissenschaftliche Richtung. Und ihre großen Klassiker haben immer auch philosophische Fragestellungen mit ihren Texten verknüpft. Ich denke dabei an die Storys von Philip K. Dick oder an die Romane von Stanislaw Lem, zum Beispiel. Bei Asimov gibt es lange theoretische Erörterungen über die Ethik der berühmten Drei Gesetze der Robotik.

Siehst Du Dich in dieser Tradition?

Ich habe nicht den Ehrgeiz, das Rad neu zu erfinden oder offene Türen einzurennen. Insofern nehme ich zur Kenntnis, was bereits vorhanden ist, und versuche dann, mich daran zu orientieren.

Gilt das auch für zeitgenössische Autoren? Wer hat Dich hier zuletzt beeindruckt?

Die moderne Science Fiction erlebt seit einigen Jahren ein ungeheures Comeback mit großartigen Autoren und Werken. Dan Simmons ist für mich einer der größten Schriftsteller unserer Zeit, ganz unabhängig von Genregrenzen. Auch Charles Stross hat mich sehr beeindruckt. Meine jüngste Entdeckung ist Peter F. Hamilton, der mit Dreaming Void gerade seinen Commonwealth-Zyklus fortschreibt.

Dein Erzählband „Harey“ wurde jetzt schon mehrfach rezensiert. Ein roter Faden der Besprechungen scheint zu sein, dass die einzelnen Storys der Sammlung sehr heterogen seien.

Die deutschen Leser und Autoren denken leider sehr stark in Schubladen, wobei ich glaube und hoffe, dass es die Verleger mehr tun als die Leser, die doch wesentlich offener sind, als man ihnen einreden will. Ich habe den Band „Harey“ aus sieben Erzählungen komponiert, die alle um dir Frage kreisen: Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Was ist eine Welt?

Dabei sind höchst unterschiedliche Ansätze herausgekommen. „Das Wahrheitsserum“ liest sich wie ein Krimi – mit einigen höchst brutalen Splatter-Effekten…

Hier geht es um einen Foltermord. Einige Banditen flößen einem ehemaligen Compagnon eine Wahrheitsdroge ein, um an das Versteck der gemeinsamen Beute heranzukommen. Unter dem Einfluss der Droge lässt der Gepeinigte diese Ebene jedoch völlig hinter sich und wendet sich der Frage nach der „Ewigen Wahrheit“ zu.

Kommen wir von den Kurzgeschichten zu den Romanen. Derzeit wird Deine Gaugamela-Trilogie bei Phantastik Journal rezensiert, ein bild- und sprachgewaltiges Epos von insgesamt weit über eintausend Seiten. Gibt es hier auch eine Kernaussage?

Gaugamela handelt vom Krieg, genauer: von der Wiederkehr des Krieges. Der ganze Dritte Band, „Die Schlacht um Sina“, ist im Grunde eine einzige gewaltige Raumschlacht, die die historische Schlacht von Gaugamela, in der Alexander der Große den persischen König Dareios besiegte, auf den interstellaren Maßstab projiziert.

Warum so martialisch?

Die Trilogie entstand 2004 und 2005, noch ganz unter dem Eindruck des Irak-Krieges. Seither wird ja diskutiert, ob wir generell eine Situation erreicht haben, in der der Kalte Krieg endgültig vorbei sei und wir eine Wiederkehr des „klassischen“ Krieges erleben. Damit wollte ich mich auseinandersetzen. Das heißt natürlich nicht, dass ich den Krieg bejahen oder begrüßen würde. Aber es scheint so, dass wir ihn als Realität akzeptieren müssen. Jede „Tagesschau“ ist voll davon.

Wenden wir uns noch Deinen aktuellen Projekten zu. Auf welche Veröffentlichung können wir uns als nächstes freuen.

Ich habe gerade zwei Bände abgeschlossen, die im Rahmen der „TITAN Sternenabenteuer“ erscheinen werden.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich habe dem Verleger, Jörg Kaegelmann von „Blitz“, einige meiner Manuskripte geschickt, eine Fortsetzung von Gaugamela, aber wie die meisten kleinen und mittelgroßen Verlage hatte er keine freien Programmplätze mehr. Er bot mir aber an, stattdessen an TITAN mitzuschreiben. Die Serie geht ja auf die 70er Jahre und den legendären Kurt Brand zurück und hat seither mehrere Neustarts erlebt. Aktuell steht ein weiterer Relaunch an, diesmal als hochwertige Hardcover-Edition unter dem Titel TITAN STAR VOYAGER. Der erste Band, „Der Virenplanet“, ist übrigens eine Kooperation mit dem britischen Altmeister E.C. Tubb, was für mich natürlich eine große Ehre darstellt.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

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