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Falke, Matthias: Die Gaugamela Trilogie – Die Planetenschleuder

Geschrieben von am 19. Juni 2009 – 19:58Kein Kommentar

Die Event Horizon liegt zur Wartung im Neptun-Orbit. Ein gefährlicher Meteoritenschauer stört die beschauliche Ruhe des Etappendaseins. In einem halsbrecherischern Manöver gelingt es Commander Frank Norton und seiner Crew, die navigationsunfähige Event Horizon aus der Gefahrenzone zu bringen.

Dann erst stellt sich heraus, was den Meteoritenhagel ausgelöst hat: eine überschnelleWarp-Sonde der Sineser, die ins Sonnensystem eindringt und auf der Höhe des Iupiters einen Annihilator zur Explosion bringt. Der Planet wird destabilisiert und droht erdwärts zu stürzen. Die Enthymesis wird in Marsch gesetzt, um die Drift des Iupiters zu beeinflussen. Es beginnt ein verzweifelter Kampf gegen die Zeit. Der dichte Vorbeizug des Iupiter droht den Mond zu zermalmen und die Erde zu zerstören. Und in dieser Situation ist Jennifer plötzlich verschwunden …

Inhalt
Die Gaugamela Trilogie - Die PlanetenschleuderJennifer Ash ist nicht nur die beste Pilotin der Union, sie ist auch die beste Billard-Spielerin und so liegt sie bei der gegenwärtigen Partie des 3-Dimensionalen Billards uneinholbar vorne. Doch während Commander Norton die Partie noch amüsiert beobachtet, dringt ein fernes Grollen durch den meilenlangen Stahlleib der Event Horizon, dem größten Schiff der Union. Ein Eisenmeteorit rast direkt auf das Schiff zu. Bereits zwei ähnliche Meteoriten, klein, aber mit hoher Dichte, haben das Schiff in geringem Abstand passiert. Doch dieser dritter befindet sich auf Kollisionskurs.

Nur wenige Minuten bleiben der Besatzung. Da die Event Horizon manövrierunfähig ist, kann sie sich allein nicht aus der Lage befreien. Die Crew um Commander Norton geht daher in ihr Schiff, die Entyhmesis. Sie ist wesentlich kleiner als die Event Horizon aber ein Kraftpaket. Jennifer Ash fliegt die Event Horizon von außen an und hängt sich an die Notfallkupplung. Dann gibt sie vollen Schub und bei der Enthymesis bedeutet das einen Schub im Megatonnenbereich.

Erst gar nicht, dann langsam und schließlich mit einem Satz bewegt sich die Event Horizon von ihrer Bahn und weicht dem Meteorit aus, der mit irrwitziger Geschwindigkeit davonschoß und sich in den gleichgültigen Weiten der Leere verlor.

Aber schon meldet sich ein zweites Objekt. Diesmal kein Eisenmeteorit, sondern ein Artefakt. [..] Länge 20,5 Meter, Masse 13,7 Tonnen. Und dieses gute Stück hat es in sich. Es zielt direkt auf den Iupiter. Jeder Versuch es abzuschießen schlägt fehl. Und die Kollision mit Iupiter hat verheerende Folgen.

Iupiter wird von seiner Bahn geworfen und taumelt in Richtung Sonne. Dabei wird er direkt mit der Erde kollidieren.

Jennifer Ash erkennt die Möglichkeiten, die ihnen jetzt bleiben: Wenn ich Kugel C treffen will, vor der sich aber Kugel B befindet, kann ich über Bande spielen [..] Ich kann meine Spielkugel A aber auch anschneiden, so dass sie um B herumläuft. Die Analogie zum Billard-Spiel, mit dem das Buch begonnen hat, ist gezogen. Jetzt muss nur noch Kugel A, also Iupiter angeschnitten werden, damit er um Kugel B, also die Erde, herumläuft.

Hier kommt ein weiterer kluger Schachzug zum Einsatz. Die schiefe Schlachtordnung, wie sie Alexander der Große bei der Schlacht von Gaugamela eingesetzt hat. Die acht Ionentorpedos, die nun auf den Iupiter abgefeuert werden, werden nicht in einem Punkt zentriert, sondern treffen den Planeten hintereinander, so dass ein 20.000 Kilometer tiefes und einige hunderttausend Kilometer langes Tal in den Iupiter gerissen wurde. Sehr beeindruckend, in der Tat, und vollkommen ergebnislos, schließt Commander Norton enttäuscht seine Beobachtung.

Erst Stunden später sieht man die Wirkung des Einschlags. Iupiter wurde von seiner Bahn abgelenkt, aber reicht das um die Erde zu retten? Derweil bleibt der Enthymesis-Crew nichts anderes übrig als auf weitere Befehle zu warten. Aber Jennifer Ash würde das Schiff gern zu Evakuierung von Menschen von der Erde einsetzen. Als ihr das verwehrt wird, ist sie plötzlich verschwunden.

Stil / Sprache
Falke schreibt in einem klaren, flüssigen Stil.

Manchmal vergeht er sich ins philosophische oder findet Vergleiche die nicht recht passen wollen. Verzweifelt sah ich die letzten Minuten heruntertropfen wie heißes Wachs, das auf eine unbedeckte zuckende Haut tropft. Dies kommt zum Glück aber sehr selten vor und bleibt wohl ein Tribut an sein Philosophie-Studium. Ansonsten schreibt er gut lesbar und spannend.

Besonders gelungen ist das zweite Kapitel. Die Klärung der gegenwärtigen Situation, nachdem die Enthymesis die Event Horizon vom Kollisionskurs mit dem Meteorit geschoben hat. Dabei treten neun Figuren gleichzeitig auf. Falke lässt alle zu Wort kommen und hält die Diskussion spannend bis zum Schluss. Dies ist das beste Kapitel des Buches.

Störend, aber dem Verlag anzukreiden und nicht dem Autor, dass Wörter unschön über den ersten Buchstaben getrennt werden, so dass zu lesen ist E-vent Horizon oder ü-bergeben.

Charaktere
Frank Norton macht als Commander eine schwache Figur. Er ist ein Wisschenschaftsoffizier, sieht sich selbst aber als einfacher Soldat, der klare Anweisungen und unmißverständliche Marschbefehle braucht. Aber gerade als Commander muss er mehr sein als Fußsoldat. Und so bleibt es ihm leider verwehrt die schiefe Schlachtordnung, mit der der Iupiter angegriffen wird, zu erkennen oder selbst den Hinweis dafür gegeben zu haben. Auch dass er die Wirkung, die die Detonation hinterlässt, nicht gleich erkennt, dürfte ihm als erfahrenen Commander nicht passieren. Stattdessen tobt er herum und sieht die Mission schon als gescheitert an. Das will zu seiner überlegten Art nicht passen. Ansonsten ist er ein scharfer Beobachter, weiß eben mehr, als er sich selbst zutraut und entwickelt sich in der zweiten Hälfte des Buches genau zu dem wissenschaftlichen Offizier, der er am Anfang nicht sein will.

Die anderen Charaktere sind klarer abgegrenzt. Jennifer Ash ist die erste Pilotin der Enthymesis und die beste Pilotin der Union. Dies zu beweisen hat sie mehrere Gelegenheiten und übertrifft sich dabei sogar selbst.

Jill Lambert ist die zweite Pilotin und von eher hässlicher Natur. Auch gerät sich leicht in Panik und Hysterie. Dieser Charakter ist wohl eher mit Augenzwinkern zu betrachten. Denn wenn es ernst wird, bleibt sie konzentriert.

Weitere Crew-Mitglieder sind Rogers und Reynolds. Reynolds hat die schiefe Schlachtanordnung der Ionentorpedos erdacht und programmiert.

Aufmachung
Das Buch umfasst 325 Seiten und kommt als Taschenbuch daher. Auf dem Cover ist in dreidimensionaler, silberner Schrift der Titel der Trilogie geschrieben. Der Titel des ersten Bandes befindet sich am unteren Rand und ist in der gleichen Schriftart wie das Logo des Verlages. Auf dem Cover dargestellt ist, vor dem Hintergrund eines kosmischen Nebels, ein Raumschiff.

Fazit
Eine spannende Lektüre, die ihre Stärke in der ersten Hälfte des Buches hat. Besonders das zweite Kapitel soll hervorgehoben werden. Ab der zweiten Hälfte flacht die Handlung etwas ab, dafür kommen wissenschaftliche Betrachtungen in den Vordergrund. Somit wird das Tempo heraus genommen.

Insgesamt ein würdiger Auftakt für eine Trilogie, der die Grundlage für die Folgebände liefert.

Phantastik Journal – Wertung: ★★★★☆

  • Erschienen: 12.2008
  • ISBN-10: 3-931164-35-7
  • EAN: 9783931164355
  • Einband: kartoniert/broschiert
  • Erschienen bei: MG Verlag
  • Seitenzahl: 321
  • Gewicht: 450 g
  • Sprache(n): Deutsch
  • Ausstattung: 20,5 cm

Hinweise
Rezension von: Stefan Falke

Vielen Dank an den Autoren für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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