Heide Solveig Göttner
Heide Solveig Göttner wurde 1969 in München geboren.Ihre Kindheit verbrachte sie in einem Münchner Vorort sowie auf einem Bauernhof im Bayerischen Wald.
Schon als Kind lass liebte sie es, Geschichten über Feensagen und Rittergeschichten zu lesen. Schon bald erfand sie selber Geschichten rund um das Phantastische.
Ihre Vorliebe gilt dem Reisen, was sie auch dazu nutzt archäologische Stätten zu erkunden. Eine besondere Vorliebe hat Heide Solveig Göttner für Inseln. Laut eigener Angaben haben sie die sardischen Feen, die Janas, und die Nuragen, eindrucksvolle Steintürme aus der Bronzezeit, zu ihrem Zyklus “Insel der Stürme” inspiriert.
Über Ihre Person
Phantastik Journal: Erst einmal eine Standardfrage: Aus welchem Grund haben Sie angefangen zu schreiben?
Heide Solveig Göttner: Es ging damit los, dass ich auf eigene Faust alle Bücher „verlängert“ habe, die ich zu schnell ausgelesen hatte. Mit den vorgegebenen Figuren habe ich mir neue Szenen ausgedacht, bis dann schließlich erste eigene Entwürfe entstanden. Das Interesse am Schreiben ist also ganz allmählich gewachsen.
Heide Solveig ist ein Name, den man (zumindest in der Schweiz) nicht oft antrifft. Hat er ein spezielle Bedeutung oder Herkunft?
Jedenfalls ist es kein Pseudonym – alles echt! Heide ist mein Geburtsname, aber nachdem ich ihn mit meiner Mutter teile, war ich lange auf der Suche nach einer Alternative. Solveig ist skandinavischen Ursprungs und sprang mich förmlich an, als ich in Island unterwegs war. Er hat mit der Sonne zu tun, und das fand ich ganz schön.
Sie haben schon früh Bekanntschaft mit Feensagen und Rittergeschichten gemacht. Wie kam das?
Meine Eltern legten großen Wert auf ein gut ausgestattetes Bücherregal im Kinderzimmer. Zudem haben sie uns viele Märchen und Sagen vorgelesen und erzählt. Auf diese Weise kam ich schon in jungen Jahren mit König Artus und Co. in Berührung, und die Szenerien nahmen mich sofort gefangen.
Sie bereisen gerne die Welt und schauen sich archäologische Stätten an. Welche hat Sie bisher am meisten beeindruckt?
Das lässt sich schwer beantworten, weil sich jeder Platz vom anderen unterscheidet. Ich liebe Orte, an denen man vollständig in die Vergangenheit eintauchen kann und alles ringsum vergisst. Griechenland und seine Tempel habe ich vor langer Zeit besucht, aber die Bilder sind heute noch präsent. Syrien und seine großartigen Stätten haben ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Als wir vor dem Wüstenschloss Sharki campierten, zog ein Gewitter auf – ein tolles Erlebnis. Und auf die Idee zur „Insel“-Trilogie kam ich auf einer Reise durch Sardinien, als ich dort in den Nuraghen herumgeklettert bin.
Viele Autoren haben ja ihren speziellen Platz, wo sie schreiben. Sei das die Küche, im Arbeitszimmer oder im Wald. Gibt es auch bei ihnen so einen Platz?
Ganz banal – der Computertisch. Eine nüchterne Umgebung hilft mir, mich zu konzentrieren und zu motivieren. Wenn das Wetter so schön ist wie im Moment, sitze ich nachmittags auch manchmal mit dem Laptop im Garten.
Brauchen Sie ein bestimmtes Ambiente (z.B. Musikuntermalung), um schreiben zu können?
Nein, eigentlich nicht. Am wichtigsten ist Ungestörtheit. Wenn alle 10 Minuten das Telefon klingelt, findet man nicht in die Geschichte. Musik höre ich gern (von Rock bis Folk ist alles dabei), Radio ist allerdings ein absoluter Killer. Jeder Satz des Sprechers reißt mich sofort aus der Konzentration.
Haben Sie irgendwelche komischen / lustigen / ungewöhnlichen Angewohnheiten, die Sie unseren Lesern verraten mögen?
Eine ganze Menge, nehme ich an! Aufs Schreiben bezogen fällt mir spontan die Angewohnheit ein, Szenen so lange durchzuspielen, bis alles passt. Dabei passiert es schon mal, dass ich eine Armbewegung oder eine Grimasse ausprobiere – also ganz und gar in die Figur schlüpfe. Meist mache ich das als Einstimmung beim Morgenspaziergang mit dem Hund, weil man sich im Wald schön ungestört fühlt. Wenn in dem Augenblick dann der Förster des Wegs kommt, kann es schon mal ganz lustig werden …
Kurz und knackig
Das mag ich ganz und gar nicht….
Unfreundlichkeit. Gehetzt werden. Sinnlose Streiterei.
Gut finde ich….
wenn jemand Charakter zeigt.
Das überflüssigste was ich kenne ist….
Krieg.
Meine Lieblingsnascherei…..
Salzige Chips. Bei uns isst der Mann die Schokolade.
Über Ihre Arbeit:
Wie kamen Sie auf die Story von „Die Insel der Stürme“?
Die Idee, ein magisches Mädchen in den Mittelpunkt eines Fantasy-Abenteuers zu stellen (und nicht etwa einen Gegenstand wie ein Zauberschwert oder einen Ring) gab es schon ziemlich lange. Was mir noch fehlte, war das Setting – da wollte ich etwas exotisches, eine sehr komplexe Welt mit historischem Hintergrund, Weltanschauung, Götterglauben und Geschichte.
Wie lange dauerte es von der ersten Idee bis zum fertigen Buch in etwa?
In diesem Fall etwa anderthalb Jahre, weil ich nur sporadisch zum Schreiben kam und zugleich an der Planung der ganzen Trilogie arbeitete. Es hat ein bisschen gedauert, bis alles reif war. Für die beiden letzten Bücher habe ich jeweils ungefähr 6 Monate benötigt.
Wie waren Ihre ersten Erfahrungen mit den Verlagen, bis ihr Buch angenommen und veröffentlicht wurde?
Ich habe natürlich auch Absagen bekommen, wie viele andere angehende Autoren auch. Man darf sich in dieser Phase nicht entmutigen lassen. Ich denke, eine wichtige Eigenschaft beim Schreiben ist der Glaube an die eigene Sache – ohne dass man dabei an Kritikfähigkeit einbüßt. Nur wenn man mit sich selbst im Reinen ist, hält man auch mal eine Durststrecke aus.
Schreiben Sie diszipliniert an jedem Tag ihre paar Seiten, oder gibt es da auch Tage, an denen das Blatt weiss bleibt?
Ich schreibe jeden Tag meine paar Stunden, die extra dafür reserviert sind. Manchmal entsteht nichts sonderlich Kreatives – beim zweiten Lesen bleibt unter Umständen nur ein Satz stehen. Oder ich überarbeite bereits fertige Passagen. Trotzdem halte ich die tägliche Disziplin für sehr wichtig. Sie beschreibt den Stellenwert, den ich dem Schreiben in meinem Leben einräume.
Wie kommen Sie auf Ihre Ideen? Suchen Sie gezielt oder lassen Sie sich inspirieren?
Da gibt es alle Spielarten. Sehr beliebt: ein genialer Einfall, der mich kurz nach dem Zubettgehen aus dem Halbschlaf reißt. Ideen springen einen manchmal aus dem Nichts an, manchmal werden sie durch Gespräche, Lektüre usw. an mich herangetragen. Wenn der Computer ausgeschaltet ist, geht das Schreiben im Kopf trotzdem immer weiter.
Durften Sie bei der Gestaltung mit dem Cover mitreden?
Ich durfte Vorschläge einbringen, die der Verlag dann an die Designerinnen weitergeleitet hat. Mit dem Ergebnis bin ich hoch zufrieden – die Atmosphäre in den drei Büchern ist jeweils großartig getroffen!
Wo schreiben Sie ihre Geschichten auf? Auf dem Computer oder mit Stift und Papier?
Mit der Hand geht gar nichts mehr – das habe ich früher gemacht. So schreibe ich heute nur noch Tagebuch und mache mir Notizen. Alles andere kommt sofort in den Computer – da lässt es sich am leichtesten verarbeiten.
Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit wichtig?
Spaß! Wenn mir der Text keine Freude bereitet, überträgt sich das sofort auf den Leser. Außerdem suche ich immer nach einem übergeordneten Thema für meine Bücher. In der Trilogie „Insel der Stürme“ geht es beispielsweise um ein zerrissenes Land und eine zerrissene Kultur und um die Frage, ob in einer solchen Welt Freundschaft möglich ist.
Gibt es schon andere Projekte, welche Sie noch verfassen möchten?
Aber sicher. Im Augenblick wird das Konzept zu einem Jugendbuch von den Verlagen geprüft, und die Ideen für das nächste Fantasy-Projekt drängeln schon im Hinterkopf.
Wie viel Zeit verschlingt Ihre Tätigkeit als Schriftstellerin?
Mit Sicherheit fast die gesamte Freizeit. Man ist ständig am Grübeln, am Verbessern und natürlich am Aufschreiben, und wenn das einmal nicht der Fall ist, liest man. Meistens schreibe ich den ganzen Vormittag über. Da ich freiberuflich bin, kann ich mir die Zeit zum Glück ganz gut einteilen.
Viele denken ja, dass Autoren die deutsche Rechtschreibung perfekt beherrschen. Ist das so?
Das will ich doch hoffen! Allerdings sind wir keineswegs vor Flüchtigkeitsfehlern, Buchstabendrehern und Kommateufeln gefeit. Deshalb gibt es im Verlag dann auch den Lektor, der das Werk, bevor es in Druck geht, noch einmal aufmerksam liest.
Allgemeine Fragen
Schauen Sie die Leute nun, da Sie Autorin sind, mit anderen Augen an?
Ich habe Menschen schon immer gern beobachtet. Eine gewisse Neugier für die eigene Umgebung und für das Weltgeschehen gehört zum Schreiben sicherlich dazu. Allerdings habe ich in meinen Büchern noch nie eine spezielle Person „verewigt“ und werde es auch in Zukunft nicht tun. Den Figuren hingegen einzelne Charakterzüge und Eigenschaften verpassen, die von mir und den Menschen in meiner Nähe stammen – das kommt schon mal vor.
Ein ganz normaler Tag im Leben von Heide Solveig Göttner……
Morgens Kaffee-Ritual, ab 9 Uhr an den Computer, durchschreiben so lange es geht, zwischendurch springt der Hund an mir hoch und haut mit der Pfote auf die falsche Taste, nachmittags anderen Verpflichtungen nachgehen oder weiterschreiben, abends kochen, reden, lesen, ein Glas Wein trinken und dann noch mal an den Computer. Wie immer zu spät ins Bett.
Ist es das Ziel, eines Autoren / einer Autorin, den grossen Coup zu landen und berühmt zu werden?
Natürlich träumt jeder Autor und jede Autorin vom Erfolg, da bin ich sicher keine Ausnahme. Wenn man aber nur den Mega-Seller im Blick hat, übersieht man vielleicht die vielen kleinen Etappenziele, die es zu erreichen gilt. Ich denke, es kommt darauf an, den Markt im Blick zu haben und gleichzeitig die eigenen Ideen umzusetzen. Schreiben ist schließlich auch ein Lebensstil.
Fantasy wird ja immer noch vielerorts belächelt und sogar herabgestuft. Spüren Sie das als Fantasieautorin?
Ja, speziell als Autorin. Manchmal hatte ich sogar den Eindruck, „Frauenfantasy“ wird noch stärker belächelt als Fantasy für Jungs – wenn es denn überhaupt so etwas gibt. Ich halte das nicht für gerechtfertigt, denn im Bereich der phantastischen Literatur finden sich genügend Beispiele für gute Erzähler/innen und spannende Bücher. Im Allgemeinen erlebe ich aber, dass immer mehr Leute offen sind für die Möglichkeiten des Genres – und die sind so vielfältig wie in jeder anderen Gattung auch.
Zu einer Ihrer Aufgaben gehört ja auch das Abhalten von Vorlesungen. Probt man so was zuvor, hat man Lampenfieber oder geht das von selbst?
Ja, das probe ich – sogar sehr gründlich. Bei öffentlichen Lesungen will ich nicht mehr über den Text nachdenken, jeder Satz muss sitzen. Außerdem benötige ich eine ungefähre Vorstellung davon, wie viel Text in den vorgegebenen Zeitrahmen passt. Sonst sitzt man nämlich da und schafft es nicht mehr bis zur Pointe – sehr ärgerlich! Gegen das Lampenfieber hilft aber auch die beste Vorbereitung nicht.
So. Das wars dann. Vielen Dank, im Namen der Redaktion und unserer Leser, für dieses Interview.
Ich habe zu danken.
Saving...

