Stroud, Jonathan: Bartimäus – Das Auge des Golem
Die Geschichte von dem ehrgeizigen jungen Zauberer Nathanael und dem Dschinn Bartimäus geht in die nächste Runde. Nathanael, der jetzt den Namen John Mandrake trägt, ist dabei sich einen Namen zu machen. Er hat die Aufgabe bekommen, die Widerstandsbewegung der Gewöhnlichen zu zerschlagen und die Drahtzieher zu verhaften. Natürlich braucht er dazu Hilfe und wer wäre dazu besser geeignet, als ein alter Bekannter? Schließlich hat der Junge mit Hilfe des Dschinns Bartimäus schon einmal ein gefährliches Abenteuer bestanden.
Inhalt
Seit Nathanaels letztem Abenteuer sind über 2 Jahre vergangen. Inzwischen arbeitet der junge Mann im Londoner Ministerium und seine Abteilung ist für die Zerschlagung der Widerstandsbewegung der Gewöhnlichen zuständig. Nathanaels neue Lehrmeisterin, die mächtige Magierin Miss Whitwell, arbeitet wie er im Ministerium und unterrichtet ihn persönlich in höherer Magie.
Doch nicht alle Zauberer befürworten die rasante Karriere des jungen John Mandrake.
Als der Laden des Magiers Mr. Pinn dem Erdboden gleichgemacht wird, gibt die Polizei der Widerstandsbewegung die Schuld dafür. Nathanel bekommt den Auftrag, den Fall so schnell wie möglich aufklären. Unter enormen Zeit- und Erfolgsdruck braucht er Hilfe und beschwört kurzerhand abermals den Dschinn Bartimäus.
Nur steht er statt eines hilfsbereiten Geistes einem eingeschnappten Dschinn gegenüber, der nichts mehr hasst, als von ihm erneut herbeizitiert zu werden. Und das lässt er Nathanael auch sehr deutlich spüren.
Mitten in den Ermittlungen taucht plötzlich ein riesiger Golem in London auf und richtet in der Stadt enormen Schaden an. John Mandrake wird beauftragt schnellstens etwas dagegen zu unternehmen. Als dann mit einem Mal auch noch ein übergeschnappter Afrit als höchst fideles Skelett die Londoner Bevölkerung unsicher macht, haben die beiden plötzlich jede Menge Probleme am Hals.
Stil / Sprache
Auch der zweite Teil der Bartimäus Trilogie liest sich sehr lebendig und amüsant.
Wie schon im ersten Teil ist Nathaniels Figur in der dritten und Bartimäus Figur in der ersten Person geschrieben. Immer wieder mit den Überschriften Bartimäus, Nathanael oder Kitty versehen erkennt der Leser sofort, aus welchem Blickwinkel der Autor gerade erzählt.
Gerade diese ungewöhnliche Schreibweise ermöglicht dem Leser ein besonders tiefes Eintauchen in die Geschichte.
Charaktere
Nathanael ist zu einem äußerst ehrgeizigen, arroganten jungen Mann herangewachsen, dessen Ego von seiner Lehrmeisterin noch unterstützt wird. Die Widerstandsbewegung sieht er als äußerst lästiges Ärgernis und persönliche Herausforderung.
Nach dem Vorbild seiner Meisterin hat sich auch sein Verhältnis zu den Dschinns und allen anderen dienstbaren Geister gewandelt. Inzwischen sind sie für ihn nicht mehr als Sklaven bzw. Diener, die ihm – als ihrem Herrn – absoluten Gehorsam schuldig sind.
Bartimäus ist genauso vorlaut und sarkastisch wie im ersten Teil. Er begnügt sich keineswegs mit der Stellung des stummen, gefügigen Dieners sondern stellt nach wie vor jeden Befehl von Nathanael in Frage. Äußerst erfindungsreich bemüht er sich, jegliche Probleme möglichst unbeschadet zu überstehen.
Kitty, eine resolute junge Frau, ist aus vollster Überzeugung Mitglied der Widerstandsbewegung und versucht alles um den Zauberern zu schaden. Durch ihren Zusammenstoß mit Nathanael im ersten Band, ist für reichlich Konfliktstoff zwischen den Beiden gesorgt.
Der Polizeichef Henry Duvall kann den Emporkömmling Nathanael nicht ausstehen und wirft ihm bei seinen Ermittlungen immer wieder Prügel zwischen die Beine. Er entspricht überhaupt nicht dam Klischee des typischen Bösewichts, da von seiner Warte aus sein Verhalten durchaus verständlich erscheint.
Wie bereits im ersten Teil der Bartimäustrilogie agieren die Figuren sehr lebendig und ihre Motive sind immer gut nachvollziehbar. Das reichlich vorhandene Konfliktmaterial und die ständigen Reiberein der Protagonisten machen die Geschichte spannend und sehr unterhaltsam.
Umsetzung
Die Vorstellung, dass ein paar mächtige Menschen ein ganzes Land und seine Einwohner kontrollieren wollen ist ein dauernd aktuelles Thema. Die aufkeimende, anfangs hilflose Wut eines Volkes auf ein autoritäres Regime von dem es diskriminiert und bevormundet wird, ist nicht neu aber immer wieder gut nachvollziehbar.
Trotzdem ist es dem Autor gelungen aus diesem ewigen Konflikt ein kurzweiliges, spannendes Abenteuer zu erschaffen, das viele Menschen begeistern wird.
Die Handlung beginnt mit einem kurzen Rückblick in eines, von Bartimäus früheren Abenteuern. Erst im Laufe der Story bemerkt der Leser, wie nützlich dieser Rückblick für das aktuelle Geschehen ist.
Sehr kurzweilig erzählt, führt die Geschichte durch die Aktionen der unterschiedlichen Charaktere immer wieder in die Irre, sodass man erst am Schluss entdeckt, wer der Bösewicht ist.
Die amüsanten Kabbeleien zwischen Nathanael, Bartimäus und später auch Kitty, liefern Hintergrundinfos und die Erklärung für so manche unterhaltsame Wendung und lassen die Figuren sympathisch und wunderbar menschlich werden.
Aufmachung
Der Umschlag ist in einem dunklen Blau gehalten, mit demselben Motiv des Wasserspeises wie im ersten Teil, allerdings hält er nun eine goldene Maske in der Hand und ein Pentagramm prangt über seinem Kopf. Das Cover und der Titel passen sehr gut zur Geschichte.
Fazit
Das Auge des Golems ist die hervorragende Fortsetzung von „Das Amulett von Samarkand“.
Durch den lebendigen und frischen Schreibstil des Autors ist auch der zweite Teil der Bartimäustrilogie ein unterhaltsamer Lesespaß für junge und ältere Fantasyfans.
Wer den ersten Teil bereits gerne gelesen hat, den erwartet im zweiten Teil durch das Wiedersehen der „alten Bekannten“ ein ganz besonderer Lesegenuss.
Phantastik Journal – Wertung: 




- Erschienen: Neuauflage 2008
- ISBN-10: 3-570-12776-1
- EAN: 9783570127766
- Einband: gebunden
- Erschienen bei: cbj
- Seitenzahl: 669
- Gewicht: 909 g
- Sprache(n): Deutsch
- Übersetzt von: Katharina Orgass, Gerald Jung
- Ausstattung: 22,5 cm
Hinweise
Rezension von: Alexandra Blaschke


